Die Eltern besetzten am Wochenende auf dem Gelände der ehemaligen Altenpflege am Holstenkamp (Bahrenfeld) eines der acht seit sieben Jahren leer stehenden Häuser.
Hintergrund: Die Bemühungen, Gespräche mit dem Senat zu führen, um ein Wohnprojekt für Familien mit behinderten Kindern ins Leben zu rufen, liefen stets ins Leere. Und zum Schluss sollte der Verein der Eltern, "Nicos Farm", einfach übergangen werden. Jetzt platzte ihnen der Kragen.
Es ist kalt. Keine gute Zeit für eine solche Aktion. Eine Heizung muss her, ein Sofa, Kerzen. Damit die 25 Mitglieder des Vereins, die sich bei der Hausbesetzung abwechseln, es aushalten. Aber sie sind sicher: "Wir werden hier so lange bleiben, bis sich etwas bewegt", so Vereinssprecher Arnold Schnittger.
Seit zwei Jahren bemühen sich die Eltern, zwei der Häuser für ihr Wohnprojekt zu bekommen, um Familien mit behinderten Kindern das Leben zu erleichtern. Ein Konzept dazu liegt seit geraumer Zeit den Behörden vor. Doch es scheint kein Interesse zu geben. Die zuständigen Senatoren Anja Hajduk (GAL, Stadtentwicklung), Dietrich Wersich (CDU, Soziales), Michael Freytag (CDU, Finanzen) reagierten nicht.
Ein Schreiben an Bürgermeister Ole von Beust wurde erst im November - mehr als ein Jahr nach Eingang - von der Sozialbehörde beantwortet. Inhalt: Der Verein "Nicos Farm" ist als Bewerber um die Häuser aus dem Rennen. Vielmehr soll das "Gelände für familienfreundliches Wohnen im Rahmen von Baugemeinschaften" genutzt werden. Unterschrift: Amtsleiter Uwe Riez. Komisch nur: Aus der auch zuständigen Stadtentwicklungsbehörde heißt es: "Im Januar stellen sich die einzelnen Bewerber noch einmal vor. Dann werden wir entscheiden." Auf das Schreiben von Herrn Riez angesprochen, gibt sich die Sozialbehörde nun zerknirscht: "Es handelt sich um einen bedauerlichen Irrtum. Wir sind fachlich nicht zuständig", so Sprecherin Jasmin Eisenhut.
Der Verein zeigt sich kämpferisch: "Was die Damen und Herren im Rathaus mit der Anlage vorhaben, darüber können wir nur spekulieren. Diese totale Ignoranz und Verlogenheit aber lässt den Verdacht aufkommen, dass unseren Hamburger Volksvertretern Menschen mit Behinderungen völlig gleichgültig sind", sagt Schnittger wütend. Was der Eigentümer "Fördern und Wohnen" zu der Besetzung sagt? Auf MOPO-Nachfrage kam bislang keine Antwort.