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Bahrenfeld/Othmarschen

Kleinkrieg der Engagierten

Sie kämpfen für das gleiche Ziel: ihre Ruhe. Die Kleingärtner wollen sie in ihren Parzellen genießen. Die Bewohner von Bahrenfeld, Groß Flottbek und Othmarschen in ihren Häusern und Gärten. Seit zehn Jahren machen die beiden Initiativen in Altona ziemlich viel Krach. Bislang ohne Ergebnis. Also nur viel Lärm um nichts?



Die Bürgerinitiative "Ohne Dach ist Krach" fordert einen Deckel für die A7. Die Anhänger der Initiative "Apfelbaum braucht Wurzelraum" müssten dafür ihre Kleingärten aufgeben. Die Pro-Deckel-Fraktion sieht sich als Stellvertreter für 25000 Hamburger im Umfeld der Autobahn. Die Schreber kämpfen nach eigenen Angaben um 730 bedrohte Gärten.



"Eine riesige, ökologisch wertvolle Grünfläche mit altem Obstbaumbestand soll hier unwiederbringlich zubetoniert werden", sagt Rainer Scholz, Sprecher der Initiative "Apfelbaum braucht Wurzelraum". 25 Hektar Grün sollen zu Bauland werden. "Altona kann auf seine grüne Lunge nicht verzichten", sagt Scholz. Die Idee, die Gärten auf den Deckel umzusiedeln, lehnen die Schreber ab. Dort sei nicht genügend Platz für alle Gärten, und die Erdaufschüttung sei nicht tief genug für die Anpflanzung von Bäumen.



"Unfug!", wettert die Bürgerinitiative "Ohne Dach ist Krach". "Kleingeister dürfen nicht Stadtteilreparatur verhindern", sagt Michael Melcher. Die Interessen von einigen hundert wiege weniger als der Lärmschutz für Zehntausende. Und so pöbeln die engagierten Bürger gegeneinander und werben in Fußgängerzone und auf Postkarten um die Gunst der Politiker und Mitbürger. In den Bezirksversammlungen wird regelmäßig von der Zuschauertribüne gebuht, geklatscht, gejohlt.



Fakt ist: Die Bundesautobahn A7 wurde vor mehr als 30 Jahren gebaut. Nach Ausbau und höherem Verkehrsaufkommen muss der Lärmschutz nachgerüstet werden. Es gab 18 verschiedene Planungsversionen, drei Gutachten. Stets fehlte das Geld. Jetzt hat der Bund 250 Millionen Euro zugesichert. Das reicht für einen kurzen Deckel, vom Elbtunnel ein Stück weit gen Norden. Die Bewohner der angrenzenden Stadtteile wollen mehr. Und eigentlich will die Stadt auch mehr, eine überdeckelte Autobahn bis nach Stellingen. Knackpunkt: Das liebe Geld. Der Verkauf der Kleingartenflächen wäre ein Teil des fehlenden Betrags.



Kürzlich konnten die kämpferischen Gärtner einen Teilerfolg für sich verbuchen. Sie streben ein Bürgerbegehren an, sammelten mehr als 5000 Unterschriften, stoppten so die Planungen. Zunächst nur für drei Monate. Sie sehen sich im Recht. "Der Deckel ist wünschenswert, aber die Vernichtung der Kleingärten wäre ein städtebaulicher Schildbürgerstreich", sagt Scholz.



Das letzte Jahrzehnt hat gezeigt: Sie werden nicht ruhen - weder die Gärtner noch die Hausbesitzer - bis sie ihr Ziel erreicht haben. Ihre Ruhe.

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Datum:  29.9.2008
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