Es dürfte ein trauriger Rekord sein: Benjamin M. (28) beging innerhalb von neun Monaten 46 (!) Straftaten. Gefährliche Körperverletzung, sexuelle Belästigung, Hausfriedensbruch, Beleidigung. Zuletzt verprügelte der Obdachlose eine junge Frau. Wieso konnte M. monatelang wüten, ohne dass er ins Gefängnis kam?
Der Bahnhof Altona am vergangenen Dienstag: Madlen N. (23) ist auf dem Weg zur Arbeit. Sie steigt aus der S1 und will mit der Rolltreppe nach oben fahren, als ihr Benjamin M. entgegenkommt. Der 28-Jährige rempelt Madlen N. an. „Ich sagte noch irgendwas wie ,Hey‘ oder so – da ging’s schon los“, erinnert sie sich. Der Obdachlose ballt die Fäuste und beginnt der Büroassistentin ins Gesicht zu schlagen. „Die Videobilder zeigen, dass der Täter der Frau fünf Mal mit den Fäusten ins Gesicht geschlagen hat“, sagt Rüdiger Carstens, Sprecher der für die Sicherheit an Bahnhöfen zuständigen Bundespolizei. Madlen N. fällt auf den Boden, erleidet einen Schock und wird ins Krankenhaus gebracht. „Ich wusste überhaupt, nicht wie mir geschah. Ich hatte doch gar nichts gemacht. Schließlich hatte er mich angerempelt, nicht umgekehrt“, sagt sie.
Benjamin M. rennt davon, versucht, in einen abfahrenden Zug zu steigen. Zeugen halten ihn fest. Die Bundespolizei verhaftet den 28-Jährigen. Ein Alkoholtest ergibt 1,52 Promille. M. sitzt seit der Prügel-Attacke im Untersuchungsgefängnis (Neustadt). Aber warum erst jetzt?
Denn der gebürtige Schleswig-Holsteiner ist ein Serientäter: Seit Juni 2009 zählte die Bundespolizei allein in ihrem Zuständigkeitsbereich sage und schreibe 46 Straftaten, die M. begangen hatte. Die meisten davon im Bahnhof Altona. Die Begründung der Bundespolizei: „Der Beschuldigte ist in den ersten Monaten ausschließlich wegen Hausfriedensbruch, Beleidigung und Schwarzfahren in Erscheinung getreten. Das sind Taten, die eine Untersuchungshaft nicht gerechtfertigt hätten“, erklärt Rüdiger Carstens. Zu den heftigeren Vorfällen wie Körperverletzung und sexuelle Belästigung sei es erst in den „vergangenen Wochen“ gekommen.
Madlen N. leidet auch Tage nach der Attacke noch unter den Schmerzen: „Vor allem beim Kauen tut der Kiefer tierisch weh. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis alles wieder in Ordnung ist.“ Angst, dass sich die brutale Prügel-Attacke wiederholen könnte, hat sie nicht: „Es ist ein sehr, sehr gutes Gefühl, dass dieser Typ jetzt nicht mehr in Altona herumläuft.“
Der Tatort: Auf dieser Rolltreppe im Bahnhof Altona prügelte Benjamin M. (28) auf Madlen N. (23) ein, schlug ihr mit den Fäusten fünf Mal ins Gesicht.
Das Opfer: Madlen N. (23) leidet auch Tage nach der PrügelAttacke unter den Folgen.
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