Sie haben geschummelt, um an Geld zu kommen. Jetzt haben sie Angst, dass alles auffliegt - und dass sie die Universität nicht nur mit einem Diplom, sondern auch mit einer Vorstrafe verlassen. Vor drei Jahren hat das Studierendenwerk begonnen, die Vermögensangaben von Bafög-Empfängern zu überprüfen. Trauriges Ergebnis: Hamburgs Studenten haben sich 8,6 Millionen Euro erschummelt.
Vielen angehenden Akademikern flattert nun unangenehme Post ins Haus. Man habe Zweifel daran, dass das damals angegebene Vermögen korrekt sei, heißt es dort. Grund der Maßnahme: Viele, die sich für Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz bewerben, verschweigen, dass sie Geld auf der hohen Kante haben. Sie geben lediglich ein kümmerliches Taschengeld an - um so jeden Monat eine möglichst hohe Bafög-Summe zu kassieren.
Bislang hat das Bafög-Amt des Studierendenwerks die Jahre 2001, 2002 und einen Teil von 2003 aufgearbeitet. Mit Erfolg: 1900 Studenten wurden bislang erwischt. Das Studierendenwerk hat in diesen Jahren 8,6 Millionen Euro zu viel gezahlt - der derzeitige Jahresetat liegt bei 53 Millionen Euro.
"Dass so viele Studenten falsche Angaben machen, damit hätten wir nie gerechnet", sagt Klaus Wonneberger, Leiter des Bafög-Amts. Als Grund für die Unwahrheit hat er Schusseligkeit und Unwissen ausgemacht. "Ein Teil hat auch bewusst betrogen", sagt er.
So fliegt der Schummel auf: Die Zinserträge des Bafög-Empfängers werden mit den damals gemachten Angaben verglichen. Wer angeblich nur ein paar Euro auf dem Sparbuch hat, kann schließlich keine Zinsen in mehrstelliger Höhe bekommen.
Derzeit darf man 5200 Euro auf der hohen Kante haben. Wer mehr hat, muss den Überschuss erst verbrauchen, bevor er den Zuschuss bekommt.
Auch Lehramtsstudent Michael Bosen. Ein Jahr lang hat er monatlich 200 Euro kassiert - vorher aber verschwiegen, dass er ein Sparbuch mit 8000 Euro hat. "Ich habe das Geld für ein Auslandssemester gespart", sagt er zerknirscht. Jetzt hat er Angst, dass er bald wegen Betrug vorbestraft ist. "Meinen Traumjob Lehrer könnte ich dann vergessen", sagt er.
Die verschwiegenen Beträge reichen von ein paar hundert Euro bis zu großen Summen. Am dreistesten war eine Studentin, die ein Vermögen von 60000 Euro verschwiegen hatte. Ihre Akte wurde der Staatsanwaltschaft übergeben - genau wie 300 weitere Fälle. Außerdem hat es bislang 600 Bußgeldverfahren gegeben.
Viele Bafög-Sünder zwickt jetzt das schlechte Gewissen. Deshalb wurden von den 8,6 Millionen Euro Schaden schon 7 Millionen Euro zurückgezahlt. Klaus Wonneberger rät Betroffenen, möglichst früh reinen Tisch zu machen. Er sagt: "Ein Schuldeingeständnis und die Bereitschaft zur Rückzahlung werden mildernd honoriert."