Die Story: Jean-Dominique Bauby, einstiger Lebemann und Chefredakteur der französischen Zeitschrift "Elle", ist nach einem Schlaganfall mit 42 Jahren komplett gelähmt - nur das linke Auge kann er noch bewegen. Er lernt, mit seinem Lidschlag zu kommunizieren: Mit Hilfe eines speziell entwickelten Alphabets diktiert er sogar seine Memoiren, die zu einem Weltbestseller werden.
Die Schauspieler: Als ehemaliger Frauenheld, der in seinem Körper gefangen ist wie in einer Taucherglocke und sich mit Hilfe seiner Imagination und seiner Erinnerungen wie ein Schmetterling daraus befreit, brilliert Mathieu Amalric. Für seine humorvolle, angenehm zurückhaltende und gerade deshalb so berührende Verkörperung Baubys bekam er den César als bester Darsteller. Bei uns ist er noch fast unbekannt - doch das wird sich mit dem neuen James-Bond-Abenteuer schlagartig ändern: Da spielt Amalric den Bösewicht. An seiner Seite überzeugen unter anderem Emmanuelle Seigner ("Frantic") als Baubys Ehefrau, Marie-Josée Croze ("Invasion der Barbaren") als seine Logopädin und Leinwand-Legende Max von Sydow ("Der Exorzist") als sein Vater.
Der Regisseur: Wie um Himmels Willen verfilmt man die Geschichte eines Mannes, der lebendig begraben ist und bloß noch zwinkern kann? Julian Schnabel wagte sich nach seinen filmischen Künstlerporträts "Basquiat" und "Bevor es Nacht wird" nun an diese fast unlösbare Aufgabe. Das raffinierte Drehbuch von Oscar-Preisträger Ronald Harwood ("Der Pianist") zieht uns von Anfang an hinein in Baubys Hirn: Wir hören, was dieser hoch intelligente, poetische und witzige Mann denkt, und wir sehen genau das, was er auch sieht. Letzteres ist ein Verdienst von Steven Spielbergs Stammkameramann Janusz Kaminski (ebenfalls ein Oscar-Preisträger): Mit speziell präparierten Linsen, mit Unschärfen, Schleiern, Über- und Doppelbelichtungen zaubert er einen Tanz von Licht und Farben auf die Leinwand, ein wahres Feuerwerk fulminanter, noch nie gesehener Bilder. Das größte Wunder ist jedoch, wie sich Baubys herzzerreißendes, zu Tränen rührendes Schicksal in einen derart befreienden, erfrischenden, lebensbejahenden Film verwandeln konnte. Dies wiederum verdanken wir der gänzlich unkitschigen, vor Ideen nur so sprühenden Inszenierung von Julian Schnabel, der dafür in Cannes und bei den Golden Globes als bester Regisseur ausgezeichnet wurde. Momente purer Schönheit paaren sich mit hinreißendem Humor zu einer luftig-leichten Hymne auf die Liebe und die Fantasie: ein Meisterwerk, das noch lange nachwirkt.
Fazit: Visuell atemberaubende, völlig unsentimentale, zutiefst erschütternde und ermutigende Liebeserklärung an das Leben, voller Witz, Sinnlichkeit und Poesie - kurz: eine Sensation!