Er will Bürgermeister von Hamburg werden. Doch es formiert sich immer stärker innerparteilicher Widerstand gegen SPD-Landeschef Mathias Petersen, Sonntag gab es sogar einen Krisengipfel. In der MOPO nimmt Petersen zur Kritik Stellung.
MOPO: Macht Politik nach der massiven Kritik auf der jüngsten Sitzung überhaupt noch Spaß?
Mathias Petersen: Ich bedauere, dass die Debatte um meine Person zu so einer Unzeit losgetreten wurde. Gerade jetzt schafft es die SPD dauerhaft, die absolute Mehrheit des CDU-Senats in Frage zu stellen. Ansonsten sind Kritik und Streit in der Politik so selbstverständlich wie Winterstürme. Ich lasse mich aber nicht so leicht umpusten.
MOPO: Sind sie denn bisher mit ihrer Performance zufrieden?
Petersen: Es reicht schon, dass die Arbeit der Landesorganisation bei den Menschen in der Stadt Anerkennung findet. Da habe ich meinen Teil zu beigetragen. Auch meine Bekanntheit ist von 13 auf 55 Prozent gestiegen. Die Einschätzung, dass wir uns auf einem gutem Weg befinden, wurde geteilt.
MOPO: Wie konnten dann fünf Kreisvorsitzende Ihnen das Vertrauen entziehen?
Petersen: Es hat keinen Beschluss gegeben. Es gab Kritik. Die nimmt man auf, wenn sie gerechtfertigt ist. Damit wird sich der Landesvorstand am 22. Januar befassen.
MOPO: Glauben Sie, dass Sie eine Mehrheit haben werden, um weiterhin ihren Termin für einen Krönungsparteitag am 17. Febuar einhalten zu können?
Petersen: Wir werden einmal abwarten, wie die Diskussion bis dahin laufen wird. Möglicherweise wird es bis dahin ja einen weiteren Bewerber geben. Dann gibt es eine Mitgliederbefragung, der ich mich gerne stelle. Ich selber wurde ja 2004 gegen den Widerstand einiger einflussreicher Funktionäre von der Basis zum Landesgeschäftsführer gewählt. Falls es erneut zur Urwahl kommt, freue ich mich. Mehrere Bewerber sind gut, denn dann haben die Mitglieder eine Auswahl.
MOPO: Bei den Parteifunftionären scheint es wachsenden Widerstand zu geben. Wie wollen sie gegen die Führungszirkel der SPD gewinnen?
Petersen: Wir haben 11500 Mitglieder. Gestern waren gerade einmal fünf gegen mich.
MOPO: Immerhin die Chefs von fünf Kreisverbänden, die von sich in Anspruch nehmen, die Meinung ihrer Mitglieder zu äußern.
Petersen: Auch 2004 waren sogennannte Meinungsbildner gegen mich. Die Basis sah das etwas anders.
MOPO: Ihnen wurden Hausaufgaben mitgegeben.
Petersen: Diejenigen die meinen, mir Hausaufgaben mitgegeben zu haben, sollen erst einmal ihre eigenen machen. Das ist Unsinn.
MOPO: Es ging um drei Punkte. So wurden Sie aufgefordert, Ihren Pressesprecher Heiko Tornow zu entlassen, inhaltlich endlich klare Kante zu fahren und zuverlässiger innerhalb der Parteigremien zu arbeiten.
Petersen: Ich gehe auf jede Kritik ein, die Substanz hat. Das sehe ich hier bisher nicht. Auch inhaltlich sind meine Standpunkte in der Bildungs-, Wirtschafts- und Arbeitspolitik klar formuliert. Ich habe mich auch zu Privatisierungen und zu Bürgerrechten konkret geäußert. Parteigremien habe ich nicht missachtet.
MOPO: Haben Sie nicht vielleicht auch Fehler gemacht?
Petersen: Wissen Sie, jeder Mensch macht mal Fehler. Aus denen lernt man und macht es besser.
MOPO: Wie können Sie es sich erklären, dass sich Ihr Kreisverband der Kritik angeschlossen hat?
Petersen: Es stimmt, dass mein Kreisverband gegen meinen Terminvorschlag war. Doch das ist demokratische Normalität. Kristin Alheit spricht nicht für alle Mitglieder in Altona.
MOPO: Das ist doch ein Signal! Früher konnte es der SPD nicht schnell genung gehen, dass Sie gekrönt werden. Jetzt gibt es plötzlich viele neue Gründe, einen Parteitag erst nach den Frühjahrsferien stattfinden zu lassen.
Petersen: Wenn ein neuer Kandidat gesucht wird, ist das in Ordnung. Ich stehe ebenso zu meiner Kandidatur. Die Mitglieder sollten die Wahl haben.
MOPO: Wann ist ihre persönliche Schmerzgrenze erreicht?
Petersen: Ich habe gerade heute viel Zuspruch erhalten. Wichtig ist für mich nur, dass die SPD 2008 den Bürgermeister stellt. Ich denke, dass der Landesvorstand weise genug ist, das ebenso als Ziel zu sehen.