Bei den Angestellten des Terminal-Riesen "Eurogate" geht die Angst um: Die Geschäftsleitung hat sie zu Drogentests verdonnert. Das stinkt den Hafenarbeitern gewaltig. Denn in ihrer Freizeit rauchen viele gerne mal einen Joint. Aber so richtig sauer macht sie, dass ihre Chefs vom Drogenscreening befreit sind - dabei werden selbst 55-jährige Sekretärinnen auf Ecstasy getestet!
Das Prozedere ist simpel. Die Zettel mit den Mitarbeiternamen liegen in einer großen Lostrommel. Der Zufall entscheidet, wer zum Pinkeltest muss. Wer dann nicht "muss", sitzt so lange, bis was kommt. Zehn Drogen wie Koks, Marihuana oder Aufputschmittel werden geprüft. Wer erwischt wird, dem drohen "personalrechtliche Konsequenzen" - das reicht von Versetzung bis zur Kündigung.
Auf dem Kai herrscht deshalb große Verunsicherung. "Einige von uns kiffen halt ab und zu. Jetzt haben sie Angst", sagt Eurogate-Arbeiter Peter Brehme (Name geändert). Mit Recht: Eine "Tüte" im Urlaub kann noch wochenlang im Urin nachgewiesen werden.
Nur die leitenden Angestellten bleiben von den Tests verschont - und die Belegschaft fragt sich warum: "Das ist doch eine Frechheit. Die sollten mit gutem Beispiel vorangehen", schimpft Brehme. "Das ist doch ein Zeichen, dass in der Chefetage Drogen genommen werden!" Schließlich sei es ja bekannt, dass gerade im Management-Bereich Kokain sehr beliebt sei.
Grundlage für den Eingriff in die Privatspähre ist eine Vereinbarung zwischen der Geschäftsführung und dem Betriebsrat, der die Tests auch organisiert. "Hier geht es um die Sicherheit von Menschen. Da müssen wir erwarten, dass alle clean sind", erklärt "Eurogate"-Geschäftsführer Heinz Brandt. Die Vorwürfe seiner Belegschaft weist er zurück: "Dieser Eingriff ist nur bei gefährlichen Tätigkeiten gerechtfertigt. Deshalb werden seit mehr als einem Jahr nur Mitarbeiter getestet, die im Containerbetrieb arbeiten."
Nur: Diese Regel wird anscheinend sehr großzügig ausgelegt. Denn zumindest bei der Abteilung "Technical Services", die für die Reparatur von Maschinen zuständig ist, werden auch Büroangestellte überprüft. "Wir sitzen nur am Schreibtisch. Trotzdem wurden meine Kolleginnen und ich auf Drogen getestet", so ein Eurogate-Angestellter zur MOPO. Großen Schaden könne er von seinem Bürostuhl aus kaum anrichten. Im Gegensatz zu seinen Vorgesetzten - die würden häufig im Auto über den Terminal düsen und sich damit im Gefahrenbereich aufhalten, sagt er. "Das ist ungerecht. Wegen dieser Tests ist die Stimmung bei uns jetzt total mies!"