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ATOMSKANDAL

Gorleben war nur die zweite Wahl

Seit nunmehr 32 Jahren ist Gorleben im Kreis Lüchow-Dannenberg Kristallisationskern der deutschen Anti-Atom-Bewegung, gilt als "Atomklo". Erst in der Nacht zum Freitag wurde dort wieder ein Tieflader blockiert. Von den Volksaufständen gegen die "Castor"-Transporte ganz zu schweigen.



Schuld, dass es dazu kam, ist der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (79, CDU). Albrecht, wegen seiner früheren Managertätigkeit für Kekshersteller Bahlsen gern "Krümelmonster" genannt, hatte 1977 nur einen Grund, Gorleben als Atommüll-Lager auszugucken: Er wollte die DDR unter Druck setzen.



"Er wollte einen Standort in der Nähe der damaligen Zonengrenze haben, weil die Ostzonalen, wie er immer sagte, uns die Geschichte mit ihrem Endlager Morsleben eingebrockt hatten", berichtet der mittlerweile emeritierte Geologe Professor Dr. Gerd Lüttig (83). Lüttig gehörte in den 70er Jahren der sogenannten "Weizsäcker-Kommission" an, die Albrecht in Energiefragen beriet, und er war an der Suche nach einem geeigneten Endlager-Standort beteiligt.



Der von der DDR als Atommüll-Endlager vorgesehene Salzbergwerksschacht im grenznahen Morsleben (Sachsen-Anhalt) galt als unsicher. Es gab Wasserzuflüsse. Lüttig: "Wir befürchteten immer - und das hat Herrn Albrecht auf die Palme gebracht - dass Morsleben eines Tages absaufen würde und radioaktive Wässer in Richtung Helmstedt fließen."



Für ganz sicher hielt Experte Lüttig auch Gorleben nicht. Unter 280 geprüften Salzstöcken war er nur "zweite Wahl". Aber das interessierte "Krümelmonster" nicht. "Das ist jetzt noch keine geologische Frage, das ist eine politische Frage. Ich möchte einen Salzstock haben, der möglichst dicht an der Zonengrenze liegt", wischte er die Bedenken des Geologen vom Tisch.

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Datum:  8.8.2009
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