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ARBEITSLOSIGKEIT

ARGE bildet Astrologen aus

Astrologin

Foto: Sun

Gegen die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist bisher noch kein Mittel gefunden. Jetzt greift die Arge nach den Sternen: Seit Neuestem finanziert sie nicht mehr nur klassische Weiterbildungen, sondern auch esoterische Spleens. In Hamburg kann man sich auf Kosten der Arge (800 Euro pro Monat!) zum Astrologen ausbilden lassen! Besuch in der "Astropraxis" von Helen Fritsch.



Ein weißes Loftgebäude, versteckt in einem Hinterhof an der Hoheluftchaussee (Hoheluft). Eine schmale Stiege führt hinauf in den ersten Stock. Dort ist alles hell und freundlich eingerichtet. Mandalas und Bilder des Sonnensystems zieren die Wände. Im Gruppenraum sitzt Viviane Wahls. Die 34-Jährige war monatelang arbeitslos, bevor sie die Ausbildung bei Sterndeuterin Helen Fritsch begann.



"Ich interessiere mich seit meiner Kindheit für den Kosmos", sagt sie. Nach dem Abitur begann sie ein Physikstudium, das sie später abbrach. Auch eine Ausbildung zur Ergotherapeutin beendete sie vorzeitig. Nun sollen die Sterne ihr mehr Glück bringen. Wenn die 17 Monate lange Ausbildung rum ist, für die Wahls von der Arge einen Bildungsgutschein erhielt, will die junge Frau aus Altona sich selbstständig machen ­ als Psychologische Astrologin, wie die Richtung von Astropraxis-Leiterin Helen Fritsch heißt.



Hokuspokus oder seriöse Lehre? Über die Bedeutung dieser 3000 Jahre alten Kunst, die schon von den Ägyptern und Griechen betrieben wurde, wird bis heute gestritten. Helen Fritsch: "Unsere Arbeit hat mit Zeitschriftshoroskopen nicht viel zu tun." Die seien verkürzt, für eine wirkliche Horoskop-Erstellung, die auf komplizierten Berechnungen basiere, sei ein jahrelanges Studium nötig. Erst dann könne man die Planetenkonstellation zum Zeitpunkt der Geburt eines Menschen so deuten, dass sich daraus bestimmte Charaktereigenschaften ergeben.

"In jeder Seele spiegelt sich der Kosmos wider", sagt Fritsch, eine Ex-Lehrerin mit psychotherapeutischer Zusatzausbildung, die mit einem Physiker verheiratet ist und trotz ihres sphärischen Jobs ganz bodenständig wirkt.



Fritsch betont, dass sie keine Wahrsagerin ist und nicht in die Zukunft blicken kann. "Ich will Menschen bei der Selbsterkenntnis helfen und mit ihnen Lösungen für ihre Probleme entwickeln, wie ein Coach." Aber sie gibt auch zu: "Wissenschaftliche Beweise gibt es für unsere Lehre nicht.

Aber die gibt es auch nicht für die Existenz Gottes." Der Arge genügt es, dass Fritsch eine staatliche Zulassung hat, um Arbeitslosen wie Viviane Wahls die Ausbildung zu fördern. "Bei diesem Berufsbild sind die Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt sehr gut", so Sprecher Horst Weise. “Als Selbstständige sind viele sehr erfolgreich."

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Datum:  6.3.2010
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