In einem am Mittwoch veröffentlichen Appell plädieren sie an die Politik, „das Gängeviertel für die Künstler unter Einbeziehung ihres Nutzungskonzepts dauerhaft zu sichern“.
Die letzten Reste der Erinnerung dürften nicht auch noch ausgelöscht werden, sagte der Denkmalschützer und Architekt Horst von Bassewitz. „Hamburgs Finanzsituation wird durch das kleine Gängeviertel nicht besser oder schlechter“, betonte er. Die Stadt habe es jetzt in der Hand, „die winzig kleine Insel“ ihrer Geschichte zu retten, statt sie der Spekulation preiszugeben.
Die Stadt brauche nicht nur Erinnerung, sondern auch Platz für Kulturschaffende, Existenzgründer und ein innovatives Milieu, schrieben die Architekten. „Denkmäler sind die Bausteine unserer Geschichte“, sagte Bassewitz. Mit dem Abriss des Gängeviertels würde ein Stück Hamburger Geschichte verschwinden. „Wenn die letzten Reste der Erinnerung abgerissen werden, müssen wir uns nicht wundern, wenn es wieder heißt ’Freie und Abriss-Stadt Hamburg’“, sagte Bassewitz.
Historische Orte in Hamburg dürften nicht nur Touristenattraktionen sein, sagte Michel-Hauptpastor Alexander Röder. Das Gängeviertel biete die Chance, das kulturelle Erbe zu erhalten und mit Leben zu erfüllen. „Wir erleben ganz stark den sozialen Wandel“, gerade rund um den Michel, betonte der Pastor. Luxus- Sanierungen und teure Neubauwohnungen hätten die alten Mieter weitgehend vertrieben und auch junge Leute könnten es sich meist nicht mehr leisten, in der City zu wohnen, so Röder.
Mehr als 200 Künstler besetzten sei Ende August leerstehende Häuser im Gängeviertel, um die denkmalwürdigen Gebäude zu retten und auf die Raumnot von Kulturschaffenden hinzuweisen. Daraus ist inzwischen eine breite Bewegung geworden, die unter dem Motto „Die Stadt gehört allen“ für eine gerechtere Stadtentwicklung eintritt. Der holländische Investor Hanzevast will aus dem Gängeviertel ein Szene-Quartier mit Büros, Geschäften, Cafés und hochpreisigen Wohnungen machen.
Für Mittwochabend ist in der Hamburger Innenstadt eine Kundgebung der Initiativen „Komm in die Gänge“ und „Es regnet Kaviar“ geplant. Motto: "Wir bleiben alle". (mh/dpa/ddp)
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