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ANWOHNER IN BLANKENESE EMPÖRT

Behörde klaute uns das Osterfeuer

Aufregung am Elbstrand: Einen Tag vor Entzündung der traditionellen Osterfeuer in Blankenese rückten gestern um sechs Uhr morgens mehrere Lkw im Auftrag der Behörden an, um das von den Anwohnern seit Tagen mühsam aufgestapelte Holz abzutransportieren. Die Empörung ist groß.



"Die sind extra in aller Herrgottsfrühe gekommen, damit niemand etwas merkt", schimpft Rechtsanwalt Walter Scheuerl (47). "Zurückgelassen haben sie uns nur ein paar Latten und Tannen - die brennen in einer halben Stunde runter. So ist das Feuer schnell aus."



Besonders Kinder wie Matthias (12), Lennart (6) und Edgar (16) sind enttäuscht: Sie haben sich schon seit Monaten auf das Funkenfest gefreut, Zweige gesammelt und die Weihnachtsbäume eingelagert. Aber auch bei den Älteren herrscht Unmut. Sie empfinden die behördliche Maßnahme als Boykott einer seit Jahrhunderten gepflegten Tradition im Stadtteil (siehe rechts). Einer Tradition, der das Museum im Fischerhaus gerade sogar eine Ausstellung ("300 Jahre Osterfeuer in Blankenese") widmet.



"Das war keine willkürliche Aktion, sondern eine gemeinsame Entscheidung von Feuerwehr, Bezirksamt, Polizei und HPA", rechtfertigt Karin Lengenfelder von der zuständigen Hamburg Port Authority (HPA) die Abholung des Holzes in sechs Lkw-Ladungen. Man habe die Feuerstellen seit Donnerstag kontrolliert und dabei zwei wesentliche Mängel festgestellt: Zum einen hätten die Holzstapel die vorgeschriebene Höhe von fünf Metern überschritten und so angrenzende Häuser gefährdet. Zum anderen hätte da behandeltes Holz gelegen. "Bei der Verbrennung werden Gifte freigesetzt", sagt Lengenfelder. "Wir wollen den Menschen doch nicht die Osterfreude verderben!"



Das sehen Walter Scheuerl und seine Nachbarn anders. Einer von ihnen, Sönke Bohn (57), ist Tischler und kennt sich aus: "Das Holz, eine Spende vom Hafen, war definitiv nicht behandelt. Die Balken waren aus Bongossi, das im Wasserbau verwendet wird. Es ist verrottungsresistent und wird nie behandelt." Auch die entfernten Paletten seien sauber gewesen. Ein paar kritische Teile habe man aussortiert. Und zur Höhe der Stapel: "Wir haben doch selbst unsere Häuser hier und kein Interesse, dass etwas abbrennt." Schifffahrtskaufmann Michael Horns (58) ist überzeugt: "Die Behörde stört, dass das Feuer nicht organisiert es und es keine Verantwortlichen gibt. Das ist hier eine Nachbarschaftsgeschichte."

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Datum:  11.4.2009
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