Dr. Edmund Haferbeck von der Tierschutz-Organisation "Peta": "Herr Scheuerl verhindert mit allen Kräften, dass Missstände in der industriellen Massentierhaltung aufgedeckt werden."
Scheuerl versuchte auch zu verhindern, dass die grauenvollen Arbeitsbedingungen indischer Näherinnen öffentlich gemacht werden: Mit viel Engagement kämpfte er gegen die Ausstrahlung eines NDR-Films, der sich mit der Herstellung von Billigtextilien für die "Kik"-Kette beschäftigte.
Scheuerls Strategie: Er bezweifelte, dass die Filmaufnahmen tatsächlich in den Nähfabriken seines Mandanten gedreht wurden. Der NDR konnte das Gegenteil beweisen, der Film wurde ausgestrahlt.
"Diese Strategie verfolgt er auch bei seinen Mandanten aus der Massentierhaltung", klagt der Hafenbeck. "Seine Argumentation ist immer die gleiche: Das Material wurde woanders gedreht und es ist manipuliert." Die Tierschutz-Organisation beliefert häufig Fernsehmagazine mit heimlich gedrehtem Material von gequälten Tieren, auch aus Putenmastanlagen.
Scheuerl vertritt etwa die "QS GmbH", die das gleichnamige "Qualitätssiegel" für landwirtschaftliche Betriebe verhängt. In Ställen mit diesem Siegel stellte "Peta" nach eigenen Angaben schlimme Tierschutzverletzungen fest, dokumentierte die Verstöße per Video. Scheuerl kämpft gegen die Veröffentlichung, der Streit vor der Hamburger Pressekammer dauert laut "Peta" bereits seit drei Jahren an.
Für manche seiner Mandanten tritt der Anwalt auch als offizieller Pressesprecher auf. So etwa für die Firma "Landkost-Ei GmbH", die 2008 Eier aus Stallhaltung zu Unrecht als "Freiland Eier" etikettiert haben soll.
Auch für den "Zirkus Krone" legte Scheuerl sich ins Zeug, um heimlich gedrehtes Material, mit dem die Haltungsbedingungen angeprangert werden sollten, verbieten zu lassen.
Im Oktober beginnt in Bonn ein Verfahren gegen den Journalisten Jan Peifer (29), der in Begleitung eines Sat-1-TV-Teams eine Nerzfarm in Hörstel (Nordrhein-Westfalen) besuchte. Durch den Stress der nicht-angemeldeten Dreharbeiten sollen 1300 Nerze verendet sein. Scheuerl vertritt den Nerzfarmer, der 22000 Euro Schadenersatz haben will. Der Journalist: "Scheuerl will mich mundtot machen."
Auf die Frage, ob er als Anwalt sein Gewissen ausschalte, antwortete Scheuerl vor wenigen Wochen in der MOPO: "Nein. Bei bestimmten Unternehmen würde ich mich weigern, ein Mandat anzunehmen." Gestern war Scheuerl nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.