Es sind gleich mehrere Projekte, die im Ötztal auf den Weg gebracht werden müssen. Viererkette, Standards, Ausdauer – das sportliche Repertoire, Standardprogramm in jedem Trainingslager. Im Bergidyll von Längenfeld geht es um mehr. Die Befriedung der Gesamtsituation steht an, Ruhe reinbringen nach den Turbulenzen der Vorwochen. Gestern allerdings, am Anreisetag, blieb es zunächst einmal unruhig und stürmisch.
Um 16.03 Uhr betraten die ersten HSV-Beine die Lobby des „Aquadome“ – gut dreieinhalb Stunden nach der ursprünglich geplanten Ankunftszeit. Es waren beschwerliche Stunden, die der HSV-Tross hinter sich gebracht hatte. Um 9.30 Uhr startete der OLT-Charterflieger in Fuhlsbüttel, sollte die edle Fracht eigentlich gegen 11 Uhr in Innsbruck abliefern – dort jedoch kamen die Hamburger nie an. Wegen der katastrophalen Sichtverhältnisse entschloss sich der Kapitän zum Kurswechsel – ab nach München, Landung um kurz nach halb zwölf.
Busfahrer Miro Zadach hatte sein Gefährt jedoch in Innsbruck geparkt. Schon jetzt war klar: So wie Trainer Bruno Labbadia sich den ersten Tag im Camp vorgestellt hatte, würde es nicht ganz ablaufen. „Aber die Sicherheit geht natürlich vor“, sagt der Coach, „der Pilot hat die Lage erkannt und wir haben das Beste draus gemacht.“
Der HSV, der als erster Bundesligist am 30. Juli (Qualifikation für die Europa-League) ran muss und als letzter in die Vorbereitung startete, also schon wieder in Verzug – für den späten Trainingsstart ist Ex-Coach Martin Jol verantwortlich. Diesmal waren es höhere Mächte, die die Hamburger in die Warteschleife zwangen. Ein überschaubares Problem. Schließlich hatten nicht mal alle Spieler mitbekommen, dass es statt in Innsbruck in München runter ging.
OLT sorgte für einen Shuttle zur Autobahnraststätte Kiefersfelden im Inntal, Zadach brachte den HSV-Bus aus Innsbruck dorthin und übernahm. Weil Bruno Labbadia dem fettigen Raststätten-Essen nicht traute, orderte Manager Bernd Wehmeyer beim Italiener in Kufstein (Fummel: „Der beste am Platze.“) für 13.30 Uhr 50 gepfefferte Portionen Penne arrabiata – Essensausgabe im Bus!
Um 18 Uhr konnte Labbadia dann das erste Training in Längenfeld anpfeifen. Zwei Stunden nach der ursprünglich anvisierten Kick-off-Zeit. Die Arbeit hat begonnen!