Mit einem breiten Lächeln im Gesicht beugt sich Claudia Petersen (37) zu zwei Hotelgästen. "Darf ich Ihnen noch etwas Kaffee nachschenken?" Die kleinwüchsige Frau ist eine von zwölf Mitarbeitern im Stadthaushotel. Es sind Angestellte wie Petersen, die das Hotel an der Holstenstraße (Altona) so einzigartig machen: Neun von ihnen leben mit einer Behinderung.
Seit 15 Jahren empfängt das europaweit erste Integrationshotel nun schon Gäste aus aller Welt. Gestern wurde der Jahrestag mit einem bunten Programm gefeiert.
Die Angestellten mit Handicap werden in allen Bereichen des Hotels eingesetzt. Im Frühstückssaal kümmert sich Claudia Petersen um das Wohl ihrer Gäste. Sie leidet an dem Down-Syndrom. In weißer Bluse und schwarzem Rock deckt sie Tische ein, serviert Tee und räumt die leeren Marmeladenpäckchen ab. "Die Arbeit im Service gefällt mir am besten. Man ist so nah am Menschen", sagt sie.
Die 37-Jährige kann bereits auf reichlich Arbeitserfahrung zurückblicken: Seit 13 Jahren arbeitet sie nun schon im Stadthaushotel. Dementsprechend sicher wirbelt sie durch Frühstücksbereich, Hotelflur und Küche - die Teekanne immer fest in der Hand. "Es gibt Gäste, die sind ein bisschen schüchtern, wenn sie mich das erste Mal treffen. Aber das legt sich meistens auch wieder", sagt Petersen. Mit ihrem Mann Sönke lebt sie nur wenige Gehminuten von ihrem Arbeitsplatz entfernt. Auch er arbeitet im Stadthaushotel.
Vier andere Hotelangestellte leben gemeinsam in einer betreuten Wohngemeinschaft über dem Hotel. Dazu gehört auch Clemens Paschen, der seit Eröffnung des Stadthaushotels in dem Haus arbeitet. Seine Eltern gehören zu den Gründungsmitgliedern des Hotels, die ihren Kindern mit dem Integrationsprojekt eine dauerhafte Verbindung von Arbeit und Wohnen auch im Erwachsenenalter ermöglichen wollten.
Die Mitarbeiter mit Behinderung arbeiten durchschnittlich sechs Stunden am Tag. Wie jeder andere der Hotelangestellten werden sie nach Tarif entlohnt und zahlen Steuern.
Der 38-Jährige Paschen, der an einer geistigen Behinderung leidet, arbeitet derzeit im Zimmer-Service. Mit viel Liebe zupft er die Zipfel der weißen Bettdecke ein letztes Mal zurecht. "So, nun sieht es gut aus", stellt er fest. Auch ihn zieht es vor allem in den Service-Bereich: "Die Arbeit mit den Gästen ist super. Sie kommen von überall her und haben viel zu erzählen." Bäder putzen ist dafür nicht so sein Ding.
Mit einer Auslastung von 85 Prozent liegt das Stadthaushotel weit über Hamburger Durchschnitt. Deshalb entsteht in der HafenCity jetzt ein zweites Haus, das mit 80 Zimmern das größte Integrationshotel in Europa wird.