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ALTONA

Hier werden Schwänzer zu Musterschülern!

Sandra (20) fiebert dem August entgegen. Dann geht es für die Schülerin aber nicht in den Urlaub sondern ins Büro - und zwar als Lehrling bei einem Steuerberater. "Dass ich diese Stelle bekommen habe, ist wie ein Wunder", freut sich die hübsche Blondine. Denn Sandra hat gerade erst über Umwege ihren Hauptschulabschluss nachgeholt und Konkurrentinnen mit Abitur aus dem Rennen geworfen. Wie sie das geschafft hat? Mit Hilfe der Produktionsschule Altona (Leverkusenstraße).



"Jungen und Mädchen, die den Weg in die Produktionsschule finden, gelten als Schulversager, Leistungsverweigerer und Schwänzer", sagt Thomas Johanssen, Geschäftsführer der PSA. Sie haben den Schulabschluss nicht geschafft und blicken in eine düstere Zukunft als Hilfsarbeiter. "Ich werde Hartz IV", heißt es trotzig. Fast sah es so aus, als würde auch Sandra diesen Weg gehen. "Ich habe schon ab der 7. Klasse meiner Mutter nur noch vorgespielt, dass ich zur Schule gehe." Irgendwann stellte sich ein Problem mit Drogen ein. Erst mit 19 bekam Sandra doch noch die Kurve und bewarb sich bei der Produktionsschule.



Und dort wird nicht aus Büchern gepaukt: "Die Werkstätten sind der zentrale Ort, an dem sich Lernen und Arbeiten abspielt", so Johanssen. Zwar ist morgens von 8 bis 10 Uhr Unterricht, doch nach dem Frühstück geht es bis nachmittags in die Werkstätten.



Trockenübungen gibts in der PSA nicht, jede Werkstatt arbeitet an realen Firmenaufträgen. So wird in der Tischlerei zurzeit ein Büro für eine Kita gebaut, die Videogruppe erstellt einen Film für die Zeit-Stiftung und das Schüler-Kantinen-Team sorgt täglich für warme Mahlzeiten für Mitschüler und Mitarbeiter umliegender Firmen. Und weil die Schüler an realen Aufträgen arbeiten, bekommen sie auch eine reale Bezahlung: 150 Euro stehen jedem monatlich zu.



Obwohl viele Schüler enorme Defizite in Deutsch und Mathe haben, schaffen die Lehrer es, vier von fünf Schülern durch die Hauptschulprüfung zu bringen - zum Teil nur mit Ach und Krach. "Wir haben hochmotivierte Schüler, die hier ausbildungsreif gemacht werden", so Johanssen. Das große Problem: Nachdem sie den Abschluss nachgeholt haben, stehen die meisten ohne Lehrstelle da. Die sinkenden Ausbildungszahlen schlagen voll durch: 2005 hatten von 37 PSA-Schülern nur drei eine Lehrstelle. Johanssen bleibt aber Optimist: "Auf dem, was die Schüler hier gelernt haben, können sie ihre Zukunft aufbauen."

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Datum:  23.6.2006
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