Pflegekräfte hetzen durch Zimmer und Gänge. Auf den Fluren liegen schwerkranke Patienten. Die Stationen sind hoffnungslos überbelegt. Das Personal ist nervlich und körperlich am Ende - so sieht es aus, im "Krankenhaus der Zukunft", dem Asklepios-Krankenhaus Barmbek. In dem für 160 Millionen Euro errichteten hochmodernen Neubau werden seit dem 10. Dezember 2005 Patienten versorgt. Heute kommt Ole von Beust zur offiziellen Eröffnung.
"Die Klinik setzt neue Maßstäbe für Qualität und Effizienz im Gesundheitswesen", heißt es in der Eröffnungs-Einladung der Senatspressestelle. Die Pflegekräfte empören sich über das Gegenteil. Seit dem Einzug herrsche "ständiges Chaos". In einem Alarmbrief an das Klinik-Direktorium prangern Stationsleitungen dem Klinik-Direktorium gegenüber krasse Missstände an. "Flurpatienten" seien in allen Fachdisziplinen an der Tagesordnung.
"Die Menschenwürde dieser Patienten wird missachtet. Patienten auf dem Flur zu pflegen und sie dort ihre Ausscheidungen verrichten zu lassen, kann nicht hingenommen werden", heißt es.
Es werden Gründe genannt, woran es liegen soll: "Wir haben haben wesentlich mehr Patienten zu versorgen, mit weniger Personal." Täglich komme es zu Mehrarbeit und Überstunden durch nicht funktionierende Organisation oder Geräte. Transporte müssten immer häufiger vom Pflegepersonal geleistet werden und neu eingesetzte Reinigungskräfte machten erhebliche Mehrarbeit, weil sie nicht eingearbeitet seien.
"Unsere Mitarbeiter sind hoffnungslos überlastet und schaffen es nicht mehr, ihre Pflegetätigkeit zufriedenstellend auszuführen. Sie sind erschöpft, ausgebrannt", kritisieren die Stationsleitungen gegenüber dem Direktorium. Unzufriedene Patienten würden deutlich sagen, dass sie "dieses Krankenhaus nie wieder aufsuchen werden".
Auf Anfrage beim LBK hieß es, die neue Asklepios-Klinik Barmbek werde von den Patienten "sehr gut angenommen". Der Zulauf sei so hoch, "dass die Planzahlen immer wieder angepasst", neue Stationen eröffnet, das Personal sukzessive aufgestockt werden musste.
Das Personal will Beust heute einen Protestbrief mit hunderten Unterschriften übergeben: "Wir begrüßen Sie im modernsten Krankenhaus Europas! Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt..."