Es war ein ruhiger Start. Kaum jemand wusste, dass der Supervogel A380 gestern erstmals in Hamburg abheben würde. Selbst die Journalisten hatten es erst kurz zuvor erfahren. So sahen um 13.48 Uhr nur wenige Schaulustige in Finkenwerder, wie sich der Gigant in die Lüfte erhob. Und das tat er, wie es sich für einen Riesenvogel gehört: Majestätisch und ohne Probleme. "Wir sind zufrieden und stolz", so Airbus-Sprecher Tore Prang.
Hell erleuchtet setzte sich der Airbus zügig in Bewegung, rollte über die Startbahn - und hob deutlich vor ihrem Ende ab, um rasch - hinweg über Obstwiesen und die Häuser am Marschkamper Deich in Neuenfelde - Richtung Toulouse zu entschwinden. Nur ein gleichmäßiges Rauschen war zu hören.
Auch die Menschen in Neuenfelde, dem Dorf, das sich vergeblich gegen die Verlängerung der Airbus-Landebahn gewehrt hat, fanden den Start eher geräuscharm. "Deutlich zu hören, aber nicht so schlimm wie der Straßenlärm", so Jürgen Weber (68). Günther Wewer (70), der 30 Jahre bei Airbus arbeitete, findet die Flugzeuge generell nicht störend. "Aber mich nerven die Autos und die Laster. Fahren die vorbei, klappern die Gläser im Schrank."
Die Flugbegeisterung teilt Ernst Rehder (66) nicht. Er spricht über die Wertminderung seines Hauses. Darüber, dass es eine Landebahn-Alternative gegeben hätte. Und er gibt zu bedenken: "Der A380 heute war leer, flog mit wenig Kerosin, und es war nicht die Frachtversion. Wir wissen nicht, wie laut es künftig wirklich wird." Das sagt er ohne Zorn. Und er versichert: "Wir sind für den Betrieb. Aber es hätte sich alles anders lösen lassen." Von der Kampfeslust, die den Neuenfeldern oft nachgesagt wurde, spürt man nichts. Die Menschen fürchten sich davor, dass sich ihr Leben ändern wird.
Der erste eingerichtete A380 wird jetzt in Toulouse auf Langstreckenflügen getestet. Er war am 8. November bei uns gelandet, erhielt hier seine Inneneinrichtung mit 474 Sitzen.