HAMBURG/TOULOUSE Der A380 wird für Airbus - und für Hamburg - zum Albtraum. Zum dritten Mal hat Airbus gestern die Auslieferung verschoben - die Verspätung beträgt jetzt 22 Monate. Großkunden wie Emirates reagierten geschockt. Für Hamburg sind die Konsequenzen bitter: Der neue Airbus-Chef Christian Streiff will fast die ganze A380-Fertigung aus Hamburg nach Toulouse holen. Betroffen ist vor allem die Innenausstattung, berichtet übereinstimmend die französische Presse. Der Mutterkonzern EADS beriet gestern erneut über den Sanierungsplan.
Die Airbus-Mitarbeiter, allein 12000 davon in Hamburg, sollen heute über das "Schockkonzept" unterrichtet werden. Und so sieht Streiffs Plan nach Darstellung der Pariser Zeitungen "Les Echos" und "La Tribune" aus: Die A380-Innenausstattung (Elektrik, Küche, Toiletten, Unterhaltung), die Lackierung und die Auslieferung an Kunden in Europa und im Nahen Osten wird aus Hamburg nach Toulouse verlagert. Im Gegenzug könnte Hamburg die Montage des A320 erhalten - die französischen Gewerkschaften lehnen dies aber strikt ab (siehe unten). Die Zahl der Airbus-Zulieferer soll von 10000 auf 7000 verringert werden. Bei künftigen Flugzeugen wie dem Langstreckenjet A350 sollen Fremdlieferanten von Russland bis China 30 Prozent der Teile zusteuern (beim A380 bisher: 15 Prozent) und ein höheres Finanzrisiko übernehmen. Zahlreiche kleine Airbus-Werke stehen vor dem Aus - nach Darstellung der Investmentbank Goldman Sachs sind sieben von 17 bedroht.
Dieser Plan würde für Hamburg gravierende Einschnitte bringen. In einer voll ausgelasteten Innenausstattung arbeiten Hunderte der 2500 A380-Mitarbeiter in Hamburg. Außerdem hängen dutzende Zulieferer für die A380-Kabine an der Montage in Hamburg. Die gigantische Montagehalle direkt an der Elbe wäre zudem völlig überdimensioniert, die A380-Lackierhalle ebenso überflüssig wie die Verlängerung der Landebahn - das geplante Auslieferungszentrum (100 Jobs) würde nie gebaut werden. Für die Betreiber des neuen "Golden Tulip Hamburg Aviation"-Hotels in Finkenwerder wäre dies bitter: Ohne Auslieferung des A380 fehlen viele Gäste. In Hamburg bliebe am Ende nur die Fertigung einzelner Rumpfteile für den A380.
Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall hält das Konzept für "betriebswirtschaftlich unsinnig". Der französische Wirtschaftsminister Thierry Breton stellte sich hinter den Streiff-Plan. Dieser sei "gut für die Kunden, Beschäftigten und Aktionäre", so Breton. Laut "Les Echos" hat die EADS-Spitze einige Ideen Streiffs "als zu radikal" abgelehnt.
Emirates, mit 45 Bestellungen größter A380-Kunde, reagiert erbost über die neue Verspätung. Man prüfe alle Optionen, so Emirates-Chef Tim Clarke. Er deutete mögliche Abbestellungen an. Die Lufthansa hält an ihren 15 Bestellungen fest.