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AHRENSBURG

EU-Wahnsinn legt Ahrensburger Bahnhof lahm

Schön sieht er aus, der neue Bahnhof Ahrensburg-Gartenholz. Eine schicke Brücke führt über die Gleise, Informationstafeln, Digitalanzeigen, Uhren und Steine versprühen den Charme des Modernen - die 5,2 Millionen Euro Investition haben sich auf den ersten Blick gelohnt. Das Problem: In absehbarer Zeit hält hier kein einziger Zug. Schuld ist die EU-Bürokratie.



Der neue Haltepunkt soll eigentlich den Stadtteil Gartenholz mit seinen 4500 Einwohnern und das Gewerbegebiet Nord mit 10.000 Beschäftigten erschließen. Nach Inbetriebnahme halten dort die Regionalbahnen zwischen Hamburg und Bad Oldesloe oder Bargteheide. Noch in diesem Monat wird der Bau weitgehend fertig.



Bahnhof ja, Züge nein. Jetzt kommt nämlich die EU ins Spiel. Genehmigungs- und Abnahmeprozesse treiben den Verantwortlichen der Stadt Ahrensburg Schweiß auf die Stirn. Weil die Mini-Haltestelle Gartenholz an der Bahnstrecke Hamburg-Kopenhagen liegt, die zum transeuropäischen Verkehrsnetz zählt, hat Brüssel beim Neubau etliche Wörtchen mitzureden.



Auch wenn hier nie ein Fernzug halten wird, fordern die Beamten, dass der kleine Bahnhof die Auflagen eines großen erfüllt. Erst wenn alle europäischen Richtlinien eingehalten sind, können die Regionalbahnen und vielleicht in Zukunft auch die S4 dort halten. Dieser Irrsinn fängt schon beim Namen an: "Transeuropäische Eisenbahn-Interoperabilitätsverordnung (TEIV)".



Ein Beispiel: Es müssen Ticketautomaten aufgestellt werden, die so noch gar nicht existieren sollen. "Wir versuchen, die einzukaufen, haben als Stadt aber noch keinen Hersteller gefunden, der sie verkauft", sagt Stephan Schott vom Tiefbauamt.



Auch zum Kopfschütteln: Der Hersteller der Bahnhofsschilder, der schon etliche Jahre die Bahn beliefert, muss belegen, dass die Schilder auch EU-gerecht zertifiziert sind. Für die Blinden-Leitsysteme gibt es besondere Vorgaben. Selbst Farben und Kacheln müssen zertifiziert werden. Ein bürokratischer Albtraum.



"Alle geben sich größte Mühe" , versichert Stephan Schott. Bürgermeisterin Ursula Pepper gibt zu: Man sei sich bewusst gewesen, was beim Brücken- und Bahnsteigbau alles zu beachten sei - aber das mit den ganzen EU-Zertifikaten habe man nicht gewusst. Der Bahnhof steht - wann die Züge halten, ist laut Bahn "nicht absehbar".

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Datum:  17.3.2010
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