Große Klappe und ein hitziges Temperament - eine gefährliche Mischung. Mit seinen Ausfällen hat sich Box-Promoter Ahmet Öner (38) nun an den Rand eines juristischen Knockouts gebracht. Doch der Chef des Arena-Boxstalls scheint Glück zu haben. Beim gestrigen Prozessauftakt vereinbarten die Parteien, dass ihn höchstens eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren erwartet.
Großer Andrang gestern vor Saal 176 im Amtsgericht am Sievekingplatz (Neustadt). Der Box-Promoter erscheint in edlem Anzug und mit tief aufgeknöpftem Hemd, er hat zwei renommierte Strafverteidiger an seiner Seite. Die Hamburger Staatsanwaltschaft wirft ihm 16 Straftaten vor (siehe rechts). Mitangeklagt sind drei seiner Handlanger.
Eine halbe Stunde braucht der Staatsanwalt, um die zehnseitige Anklage zu verlesen. Es geht um Nötigung, Erpressung, Körperverletzung. Öner hört brav zu. Mal schmunzelt er, mal rutscht er auf dem Stuhl vor und zurück. Sein derzeitiger Wohnort sei jetzt nicht mehr Hamburg, sondern das Kempinski Hotel in Istanbul, sagt er.
Lieblingsfeind des Promoters ist Klaus-Peter Kohl, Chef des Konkurrenz-Boxstalls Universum. Seit Jahren liegen die Männer im Clinch, vor drei Jahren gab es zwischen Öner und vier von Kohls Sicherheitsleuten vor TV-Kameras eine blutige Schlägerei. Ein Teil der Anklage dreht sich darum, dass Öner ihm mit Erschießen drohte und Geld forderte.
Zu den Vorwürfen muss Ahmet Öner sich nicht äußern - Richter, Anwälte und Staatsanwalt treffen zuvor eine Absprache. Stimmt er den Vorwürfen zu, erwartet ihn eine Bewährungsstrafe von höchstens zwei Jahren, mindestens aber 20 Monaten. Plus eine Geldbuße von 120000 Euro. Bleibt es bei der Absprache, wird das Urteil am 11. Februar verkündet.
Nach Verhandlungsende baut sich Öner vor den zahlreichen TV-Kameras auf. "Die Geldstrafe schmerzt mich nicht", sagt er. Und tönt: "Ich bin auf dem Weg zur Nummer eins unter den Promotern. Universum gibt es für mich gar nicht mehr. Die sind nahezu pleite. Sie wollten mich wegsperren lassen. Das ist ihnen nicht gelungen."