Die Wut der Ärzte war groß, als vor einem Jahr die Honorarreform noch der großen Koalition in Kraft trat. Viele Fachärzte in Hamburg – vor allem Orthopäden – beklagten Gehaltseinbußen, verrammelten ihre Praxen, verlangten von ihren Patienten Vorkasse und fuhren zu einer Großdemonstration nach Stuttgart. Jetzt, ein Jahr später, liegen die Zahlen für die tatsächlichen Gehaltsveränderungen vor. Fazit: Die Ärzte haben mehr Geld – nicht weniger!
Den Berechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zufolge haben die 150000 niedergelassenen Ärzte in Deutschland ihre Einnahmen im ersten Halbjahr 2009 um fast zehn Prozent steigern können. Pro Arzt liege das durchschnittliche Jahresgehalt nun bei 100431 Euro.
Dabei haben die Mediziner in Hamburg am allerwenigsten zu meckern: Ihre Honorare stiegen sogar noch stärker – um 15,1 Prozent! Und auch in Schleswig-Holstein, wo der Unmut am lautesten war, gibt es einen Zuwachs von 2,4 Prozent.
Das größte Plus erzielten die Ärzte in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen: 17,4 bzw. 17,1 Prozent mehr. Die Honorare der Privatpatienten sowie spezielle Versorgungsverträge wie Hausarztverträge sind in diese Zahlen noch nicht einmal mit eingerechnet und kommen obendrauf. Allein die Ärzte in Bayern und Baden-Württemberg mussten Verluste hinnehmen.
Trotz der Gehaltserhöhungen – die Ärzte sind immer noch nicht zufrieden. „Auch wenn die Krankenkassen jetzt mehr Geld zur Verfügung stellen, reicht es noch nicht aus, um dauerhaft flächendeckend die Versorgung sicherzustellen, vor allem, um den Arztbesuch wieder so attraktiv zu machen, dass die drohende Unterversorgung mit Ärzten und Psychotherapeuten vermieden werden kann“, so KBV-Chef Andreas Köhler zur „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
Der Vizevorstand des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherungen, Johann-Magnus von Stackelberg, hält weitere Honorarforderungen dagegen für völlig fehl am Platz. „Noch mehr Geld gibt es nicht.“ Ärzte gehörten zu den Besserverdienern.