Die Küche blieb kalt in der Europa-Passage. Antipasti statt Pizza, kein Rührei zum Frühstück. Der Gashahn war von Mittwochabend bis Sonnabendnachmittag abgedreht. Der Grund: Ein Abluftmotor war defekt. Aus Sicherheitsgründen wurde das Gas abgestellt. Einige Gastronomen stiegen auf elektrische Kochplatten um, andere, wie das mediterrane "Ephesus" im Untergeschoss, ließen die Rolläden runter. Nicht genug der frostigen Shoppingatmosphäre mitten in der City: In dem Glaspalast weht es an einigen Ecken wie an der Hafenkante.
Es war nicht der erste Gasausfall in den vier Monaten seit der Eröffnung. 20 hat "Punto-Medio"-Chef Christian Hoheisen bereits gezählt. Seine Tische sind zwar bestens besetzt. Doch: "Diejenigen, die ein warmes Essen bestellen wollten, musste ich enttäuschen." Mittlerweile ist ein neuer Motor eingebaut. Doch in einigen Restaurants bleibt weiterhin der Ofen aus - die Feinjustierung der Gasventile kann erst heute überprüft werden. "Die Sicherheit unserer Kunden geht vor", so Centermanager Uwe von Spreckelsen. Immerhin funktioniert die Lüftung wieder. In manchen Teilen der Passage allerdings zu gut. Zu Klaviermusik und Alsterblick gesellt sich kalte Zugluft im "Punto Medio". "Wer hier mit dicker Jacke seinen Kaffee getrunken hat, kommt nicht wieder", befürchtet Hoheisen. Der Gastronom macht sich Sorgen um das Image der Passage. 3,5 Millionen Besucher wurden bisher gezählt. Das Konzept des Shoppingtempels ist hochgelobt. Doch was nützt es, wenn den Kunden beim Geldausgeben die Finger klamm werden?
Das "Bistro Europa" am Eingang Mönckebergstraße wird schon als "kältestes Café der Stadt" verspottet. Acht Grad misst Kellner Amir Maraddat im Eingangsbereich. "Wir wollten uns eigentlich hier aufwärmen", sagt Christina Pante. Doch sie lässt lieber die Jacke an. In einigen Modegeschäften bekommen die Kunden kalte Füße. Sie probieren keine Kleidung an. Kein Wunder bei 14 Grad Ladentemperatur.
Von Seiten des Centermanagements ist man bemüht, den Schaden einzudämmen. Die Lüftung im Eingangsbereich wird reguliert, Türen abgeschlossen. Die Ladenbesitzer kritisieren hauptsächlich den Baukonzern Hochtief, der den Shoppingpalast aus dem Bodem stampfte, und die Firma Siemens, die für einen Großteil der technischen Anlagen verantwortlich ist.
Feinjustierungen sind an der Tagesordnung. Steckdosen im Fußboden können nicht genutzt werden, da die Leitungen im Keller noch mit Wasser in Berührung kommen. Bei Lars Jörgensen aus dem "Meeresparadies" tropfte Wasser von der Decke. Im Handyladen waren es Fäkalien. Fensterscheiben sind gesprungen. Der Marmorfußboden hat viele Risse. Die schicke Europapassage erinnert eher an eine Chaosbaustelle.