Zwei Badewannen voll Blut - so viel seines eigenen Lebenssaftes hat Karsten Jürgens schon gespendet. Damit ist der 68-Jährige aus Lurup ein Held vor allen anderen: Niemand in Hamburg hat sich so oft anzapfen lassen wie er: Genau 400 Mal war Karsten Jürgens im UKE zum Aderlass. Dafür wurde er kürzlich im Rathaus geehrt - und jetzt auch von der MOPO.
Angefangen hatte alles vor 40 Jahren, als Jürgens seinen Dienst bei der Bundeswehr ableistete. "Für eine Blutspende bekam man frei", gesteht er lachend. Doch schon bald entdeckte Jürgens in dieser zunächst eher eigennützigen Leistung andere Vorteile: "Man schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe, weil die eigene Gesundheit untersucht wird - der Blutzucker, die Leber- und Nierenwerte, mögliche Viren - und man gleichzeitig auch noch etwas für einen guten Zweck tut."
Mit seiner Blutgruppe ist Karsten Jürgens im UKE, wo alle ihn nur "Opa Jürgens" nennen, gern gesehen, denn Null positiv ist in der Bevölkerung am verbreitetsten und wird somit auch am häufigsten gebraucht. Dass sein Blut nun durch die Adern Hunderter Menschen fließt, findet der Erzieher im Ruhestand nicht merkwürdig. "Es macht mich sogar sehr stolz", sagt er. "Wenn ich damit jemandem das Leben retten kann, ist das ein gutes Gefühl."
Damit sein Blut auch eine gute Qualität hat, hat Jürgens stets auf seine Gesundheit geachtet: Er raucht nicht, er trinkt keinen Alkohol, isst viel Gemüse und Obst, früher hat er zudem viel Sport gemacht.
Alle acht Wochen geht Karsten Jürgens ins Institut für Transfusionsmedizin am UKE (Tel. 741052616, Mo, Do, Fr 7-14 Uhr, Di und Mi 12-19 Uhr) und lässt sich piksen. 500 Milliliter werden ihm dabei jeweils abgepumpt. Das dauert zehn Minuten, anschließend gibt es dort ein Frühstück. Trotzdem kommen immer viel zu wenig Menschen zum Spenden. Die Klinik muss die Konserven extern einkaufen.
Nach 400 Aderlässen will Karsten Jürgens aber nun bald aufhören. In letzter Zeit ist es ihm nicht mehr so gut dabei gegangen. Im Sommer, als es heiß war, ist er sogar einmal mittendrin umgekippt. Jürgens: "Jetzt müssen mal Jüngere ran."
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