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Das miese Geschäft mit den Hartz-IV-Mietern

Die Horrorhäuser von Hamburg

Die Nachfrage nach billigem Wohnraum - sie ist riesig, seit es Hartz IV gibt. Unseriöse Vermieter wie Thorsten Kuhlmann reiben sich die Hände, können auch noch aus der schlimmsten Bruchbude Traum-Mieten herausholen. Der Hamburger Immobilienhai und CDU-Mann, über den die MOPO seit einer Woche berichtet, steht bei Weitem nicht allein da. Es gibt unzählige Kuhlmänner!



- Fall 1: Am Sood in Ottensen



Die Gegend: extrem gefragt. Aber mitten zwischen den schick renovierten Altbauten steht ein Haus, das vom Besitzer völlig vernachlässigt wird. Warum sollte er auch investieren? Das Geld kommt ja auch so: Sämtliche Bewohner sind Hartz-IV-Empfänger, Ex-Obdachlose. Für jeden von ihnen zahlt die Arge zwischen 310 und 350 Euro an Miete.



Ob die Arge auch noch zahlen würde, wenn sie wüsste, wie es dort aussieht? Es sind keine Wohnungen, es sind Löcher! Wir messen bei Jörg K. (48) nach: 19 Quadratmeter. Das bedeutet: Der Quadratmeterpreis liegt bei mehr als 16 Euro. Weder K. noch seine Nachbarn verfügen über eine Heizung, haben lediglich einen leistungsschwachen Heizlüfter in der Küche. Deshalb haben sie sich Gasöfen oder Radiatoren angeschafft. Es gibt keine Herde, sondern nur Zwei-Platten-Kocher. "Und wenn wir den Vermieter auf Mängel aufmerksam machen, ignoriert er das einfach", so K.



Jana E. (34), die im selben Haus wohnt, wünscht sich, dass endlich der Schimmel in ihrer Wohnung beseitigt wird. Hinter ihrem Schrank ist es regelrecht schwarz. "Wegen einer kaputten Dachrinne läuft mir das Regenwasser außerdem zum Küchenfenster rein. Aber niemand kümmert sich."



Nicht investieren, nur kassieren, so lautet offenbar das Motto des Vermieters. Das ist die Firma Rauch & Veth GbR aus Berlin. Per Fax hat die MOPO dem Unternehmen Fragen gestellt: Wir wollten wissen, wie die Immobilienfirma eine solche Wahnsinns-Miete rechtfertigt. Keine Antwort.



- Fall 2: Hamburger Berg auf St. Pauli



Vorder- und Hinterhaus sind völlig heruntergekommen. Die einzige Dusche, die es gibt, teilt sich der 39-jährige Mike B. mit 15 Mitmietern, die wie er Hartz-IV-Empfänger sind. B. zeigt uns seinen Mietvertrag. Da ist die Rede davon, er verfüge über 28 Quadratmeter Fläche. 332 Euro zahlt die Arge dafür. MOPO-Reporter messen nach und kommen auf nur 18 Quadratmeter. Zehn weniger als behauptet! "Ich wollte das immer schon mal melden, aber ich habe Angst", sagt Mike B., "dass mein Vermieter mich rausschmeißt. Wo soll ich sonst hin?"



Und das ist der Mann, vor dem er so viel Respekt hat: Süphü Demirocak, ein Gastronom, der auf dem Kiez Bars und Restaurants betreibt, darunter auch eine Kneipe im selben Haus. Der Vermieter ist total überrascht, als die MOPO ihn anruft. "Die Arge zahlt für Quadratmeter, die gar nicht existieren. Ist das so?" Antwort: "Ja." Gleich darauf korrigiert er sich, kommt mit der Entschuldigung, dass er nie nachgemessen habe, sondern immer die Quadratmeterangaben aus den alten Mietverträgen übernommen habe.



So argumentiert auch Kuhlmann.



- Fall 3: Ifflandstr. in Hohenfelde



Mehrere Tage versucht die MOPO, den Hausbesitzer Michael T. (Name geändert) zu erreichen -°erfolglos. Der Bewohner, der die MOPO ruft, ein ehemaliger Obdachloser, möchte ungenannt bleiben - auch er hat Angst. Auf 14 Quadratmetern haust er. Matratze, Fernseher, ein Schränkchen - für mehr ist nicht Platz. Die Arge zahlt dafür 362 Euro inklusive Betriebs- und Heizkosten. Macht eine Warmmiete von 25 Euro pro Quadratmeter.



Ein Preis, wie er nicht einmal in der HafenCity verlangt wird.



Das Ergebnis unserer Recherchen macht Siegmund Chychla vom Mieterverein zu Hamburg sprachlos. Hinter diesen Auswüchsen stecke ein Systemfehler bei Hartz IV. "Das Einzige, was dort geprüft wird, ist, dass die im Mietvertrag angegebenen Quadratmeter und der Mietpreis nicht die zulässigen Höchstgrenzen überschreiten, die einem Hartz-IV-Empfänger zustehen. Ob es die Quadratmeter aber überhaupt gibt, prüft keiner. Auch nicht, ob die Wohnung menschenwürdig ist." Warum lassen sich die Mieter das gefallen? Chychla: "Wo sollen sie denn hin?"

Die Horrorwohnung

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Datum:  1.3.2010
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