Mit LSD-getränkten Gewürzgurken eine Sehstörung heilen - wie, bitte schön, soll das denn gehen? Patrick B. (35) stellte sich im Urlaub einem sehbehinderten Mann als Schamane in Ausbildung vor und versprach Heilung. Opfer Axel P. (46) schöpfte Hoffnung, zahlte 20.000 Euro und bekam von dem obskuren Heiler seltsame Substanzen serviert. Geholfen haben die LSD-Gürkchen freilich nicht. Am Dienstag traf Axel P. den angeblichen Schamanen vor dem Amtsgericht wieder.
"Ich hätte es mir nicht verziehen, wenn ich diese Möglichkeit der Heilung nicht wenigstens versucht hätte", sagt Opfer Axel P. vor Gericht. Der Verwaltungsangestellte aus Hessen hatte vor sechs Jahren einen schweren Autounfall, seitdem ist sein Sichtfeld eingeschränkt. Bei den Ärzten gilt der gutmütig wirkende Mann als austherapiert.
Mitte 2008 lernte der Familienvater auf Mallorca Patrick B. aus dem Grindelviertel kennen, einen attraktiven Mann mit langen Haaren, Koteletten und Lederweste. Axel P. erzählt von seinem Leiden. "Er stellte sich als Schamane in Ausbildung vor und sagte, dass er durch Meditation und das Rauchen eines körpereigenen Hormons mein Gehirn neu aufbauen könne und mein Mangel verschwinden würde", sagt er.
Ein halbes Jahre später treffen sich die Männer bei Vollmond in Hamburg. Für seine Dienste will Patrick B. 20000 Euro haben, Axel P. hat den Großteil des Geldes dabei. Sie fahren nach Fehmarn. "Wir sind auf die Insel gefahren, weil er Wasser brauchte, um die von mir aufgenommenen Mängel ableiten zu können", so Axel P.
In einer Ferienwohnung meditiert Patrick B. stundenlang, Axel P. raucht eine Substanz, die ihm als körpereigenes Hormon erklärt wird. "Eines Abends gab er mir eine Gewürzgurke und fragte, ob sie wirken würde. Als ich Nein sage, bekam ich eine zweite", sagt Axel P.
Dass das Gemüse mit LSD versetzt war, wusste er nicht. Den Rest des Abends verbringt er zugedröhnt auf dem Sofa. "Ich hatte das Gefühl von Raum und Zeit verloren und habe Lichtlinien gesehen", sagt er. Wegen des großen Hundes von Patrick B. habe er sich zuvor nicht getraut, kritische Fragen zu stellen.
Nach der Gurken-Therapie ist seine Krankheit nicht geheilt, Patrick B. schlägt eine Nachbehandlung vor. Auf Druck seiner Familie bricht Axel P. den Kontakt aber ab.
Vor Gericht äußert sich der Schamane nicht. Es kommen jedoch E-Mails zur Sprache, in denen Axel P. lobt, dass er seit der Behandlung weniger Kopfschmerzen habe und weniger müde sei. Und dass er an seine Fähigkeiten glaube, aber wegen der Familie leider den Kontakt beenden müsse.
Nach der Gurken-Episode hat sich Axel P. übrigens erneut in schamanische Hände begeben. Die verabreichte Ganzkörpermassage entspannte ihn zwar, den Sehfehler hat er aber immer noch. Der Prozess wird fortgesetzt.