Flugzeughersteller Airbus lässt seine Beschäftigten die Zeche für das A380-Desaster bezahlen. Gestern ließ das Management die Katze aus dem Sack - und verkündete erste konkrete Pläne:
Rund 1000 von insgesamt 7300 Leiharbeitern in den sieben deutschen Werken werden an die Luft gesetzt.
Der Stammbelegschaft werden Überstunden nicht mehr bezahlt, sie müssen abgebummelt werden.
Extern vergebene Arbeiten werden in die Werke zurückverlagert.
Weiterbildungsmaßnahmen sollen vorgezogen werden.
Außerdem prüft Airbus die Möglichkeit des Mitarbeitertransfers und -verleihs innerhalb und außerhalb von Airbus und dem Mutterkonzerns EADS. Im Klartext: Statt Leiharbeiter zu beschäftigen, will der Konzern notfalls selbst Arbeiter verleihen.
Alles ein Spiel auf Zeit. Es müssen Leerlaufzeiten überbrückt werden, weil die A380-Montage durch nicht auf Anhieb zu behebende Organisationsfehler auf unbestimmte Zeit ins Stocken geraten ist. Airbus-Deutschland-Chef Gerhard Puttfarcken: "Zum ersten Mal wird die seit April 2003 geltende Konzernbetriebsvereinbarung über die Flexibilisierungsmaßnahmen umfassend zur Anwendung kommen. Das ist notwendig geworden, da wir heute die Lieferverschiebungen der A380 berücksichtigen müssen."
Die von Puttfarcken angesprochene Betriebsvereinbarung wurde 2003 abgeschlossen. Überschrift: "Sicherheit durch Flexibilität". Demnach sind betriebsbedingte Kündigungen bei Airbus Deutschland bis zum Jahr 2012 ausgeschlossen. Im Gegenzug erklärten sich die Arbeitnehmer bereit, bei unzureichender Auslastung der Werke Airbus vorübergehende Arbeitszeitverkürzungen auf bis zu 28 Wochenstunden hinzunehmen. Sie erleiden dadurch zwar keinen Einkommensverlust, müssen aber später, wenn wieder mehr zu tun ist, nacharbeiten.
Wie mehrfach berichtet, musste Airbus die Serienproduktion des neuen Super-Jumbos A380 vor allem wegen Problemen bei der Montage der in Hamburg verlegten bis zu 500 Kilometer langen Kabelbäume aufschieben. Die Lieferverzögerung kostet den Konzern bis 2010 an die fünf Milliarden Euro Umsatz. Der neue Konzernchef Louis Gallois hatte deshalb bereits "schmerzhafte Jobverluste" angekündigt. Das trifft wegen der werksinternen Betriebsvereinbarung nun die Leiharbeiter und Zulieferer.