Die Krise um den A380, das Sorgenkind von Airbus, verschärft sich. Jetzt drohen neue Lieferverzögerungen von sechs bis 18 Monaten. Aus Konzernkreisen heißt es, dass Airbus 2007 möglicherweise nur die Hälfte der geplanten A380 ausliefern wird. Im Juni hatte Airbus bereits die Zahl der auszuliefernden Maschinen von 20 bis 25 auf neun gesenkt.
Sprecher von Airbus und des Mutterkonzerns EADS wiesen dies als "Spekulation" zurück. Tatsächlich wartet man im Konzern gespannt auf den 29. September. An diesem Tag wird der neue Airbus-Chef Christian Streiff möglicherweise harte Einschnitte und Änderungen in der A380-Produktion verkünden. Nach MOPO-Information wurden in Hamburg bereits Verträge mit Zeitarbeitsfirmen gekündigt. Hintergrund: In Hamburg wurden bisher Rumpfteile "auf Halde" produziert, die aber wegen des Auslieferungsstaus nicht verbaut werden können. "Entlassungen stehen nicht zur Diskussion", versichert Airbus-Sprecher Rolf Brandt. Regelmäßig würden Verträge mit Fremdfirmen geprüft - dies sei ein normaler Vorgang. Airbus soll bereits die Gewerkschaften über die neue Verzögerung informiert haben. Air France bestätigte, dass den Airlines ein neuer Auslieferungsplan angekündigt wurde. Schon jetzt werden die Verzögerungen teuer für Airbus. Allein die australische Qantas erhält angeblich über 70 Millionen Dollar Entschädigung.
Besonders bitter für Airbus Deutschland: Der neue Chef Christian Streiff zieht in Toulouse 250 bis 300 Elektrik-Experte zusammen, "um den deutschen Kollegen zu helfen" - ein klares Indiz, dass die Führung in Toulouse an der Kompetenz der Hamburger bei der Lösung der Elektrikprobleme zweifelt.