MOPONews
News

35 JAHRE FÜR DIE GERECHTIGKEIT

Der Richter und die harten Fälle

Wer ihn nur aus dem Gerichtssaal kennt, würde Gerhard Schaberg (65) so was nie zutrauen: Dass er auf dem Flur vor seinem Büro ein großes Bild von den Panzerknackern aufgehängt hat. 35 Jahre hat er die schwarze Richterrobe getragen, mit Ernst und Würde, bisweilen auch mit strengem Blick und scharfen Worten. Er verurteilte Kindsmörder und Gattinnen-Totschläger, Zuhälter und Räuber. Jetzt geht Gerhard Schaberg, Vorsitzender am Schwurgericht, in den Ruhestand.



Es gibt ja Richter, die wollten immer Richter werden. Zu denen gehört Gerhard Schaberg nicht. Der Mann mit dem weißen Haarkranz und der runden Brille hätte auch Archäologe werden können oder Kunsthistoriker. Das hat der Unternehmersohn studiert, bis der Professor über die mauen Job-Aussichten sprach und Student Schaberg zu Jura wechselte.



Wäre nach dem Examen das Vorstellungsgespräch an der Fachhochschule für Verwaltung nicht so dumm gelaufen, dann hätte der junge Jurist vielleicht die Stelle als Dozent angetreten, auf die er sich beworben hatte. Aber das Gespräch lief sehr dumm und so marschierte der Absolvent im März 1972 schnurstracks zum Hanseatischen Oberlandesgericht und fragte den Pförtner, wo man sich denn hier für das Richteramt bewerben könne.



"Tja, es war eher Zufall, dass ich Richter geworden bin", erklärt Schaberg, "aber ich habe diesen Zufall nicht eine Sekunde in 35 Jahren bereut." Sehr zufrieden sieht er dabei aus, mit sich im Reinen.



1993 übernahm er eine Schwurgerichtskammer, hier werden die Fälle verhandelt, bei denen Menschen zu Tode gekommen sind. Spektakuläre Schlagzeilen-Fälle waren dabei. Schaberg hat 1996 den "Säuremörder" Lutz Reinstrom, der seine Opfer in Säure auflöste, zu lebenslanger Haft verurteilt. Ebenso Jessicas Eltern, die ihre Tochter in einem abgedunkelten Zimmer verhungern ließen. "Das war schon eine monströse Tat", sagt er und betont dabei "Tat". Denn: "Menschen bleiben Menschen."



Ein Richter, der Disneys Panzerknacker vor sein Büro hängt, muss über Humor verfügen. "Ja, die Panzerknacker", sagt Gerhard Schaberg, "die fanden manche im Haus blöd." Die gelüpften Brauen der Kollegen haben ihn aber nicht gestört: "Ich fand's witzig." Im Gerichtssal ließ Gerhard Schaberg diesen Sinn für Humor eher selten durchblitzen. Etwa, als er zehn Zuhälter der Marek-Gruppe nach einem Mammutprozess zu milden Bewährungsstrafen verurteilte. Verurteilen musste, weil das Gesetz nichts anderes zuließ.



"Sie sind Kaufleute", sagte Schaberg im April 2007 zu den stiernackigen Angeklagten, "vielleicht nicht unbedingt ehrbare Hamburger Kaufleute, aber diese verkehren bei Ihnen und an denen verdienen Sie."



Für Verteidiger war eine Verhandlung unter Schabergs Vorsitz nicht immer das reine Vergnügen. Mancher Anwalt stöhnte, wenn ein Prozess anstand bei dem Richter, der bekannterweise überhaupt kein Problem mit autoritären Auftritten hatte. "Ich hab auch mal rumgebrüllt", bekennt der angehende Ruheständler freimütig, "aber nur, wenn ein Verteidiger versucht hat, die Verhandlungsführung zu übernehmen. Das ist nun mal Aufgabe des Richters."



Es gibt einfachere Gegner, das haben auch wechselnde Justizsenatoren erlebt, die über die Jahre mit Schaberg als Chef des Hamburgischen Richtervereins über das Streben der Richterschaft nach mehr Unabhängigkeit stritten.



Vorsitzender des Richtervereins wird Gerhard Schaberg erst einmal bleiben. In wenigen Wochen fährt er in dieser Funktion mit anderen Juristen nach Vietnam, will dort beim Aufbau eines Rechtssystems nach deutschem Vorbild helfen.



Seine beiden Söhne, 31 und 33 Jahre, leben dort. Und der erste Enkel, Oskar, drei Monate alt, den der Großvater noch nie sah.



Sonstige Pläne für den Ruhestand? Da lacht der zukünftige Richter a. D.: "Auf keinen Fall Anwalt werden." Aber endlich wieder mal bildhauern. Nach Italien reisen, wo er seit Kurzem ein Ferienhaus besitzt. Mit dem prächtigen Retriever Anton durch den Jenischpark spazieren. Und fotografieren, keine Landschaften, keine Porträts, sondern kleine, feine Momentaufnahmen. Eine Mauer, auf die jemand "Open your mind" gesprüht hat. Oder ein paar Blütenblätter auf Kopfsteinpflaster. "Ich gucke eben gerne genau hin",erklärt Gerhard Schaberg sein Faible für Detailfotografie und setzt dazu: "Das muss man als Richter auch."



BU: Gerhard Schaberg (65), Vorsitzender Richter am Landgericht, nimmt ein letztes Mal Platz hinter dem Richtertisch im Schwurgerichtssaal. Hier hat er Verhandlungen geführt, Hunderte Urteile gesprochen.



Burkhard M. (50) und Marlies Sch. (36), Eltern der verhungerten Jessica. Das Schwurgericht unter Schabergs Vorsitz verurteilte sie 2005 wegen Mordes.



"Kaufleute, wenn auch nicht gerade ehrbare": Der Prozess gegen die Bande des Ober-Luden Marek (r.) endet 2007 mit Bewährungsstrafen



Der "Säuremörder": Lutz Reinstrom löste seine Opfer in Säure auf. Schaberg verurteilte den Kürschner 1996 zu lebenslänglich plus Sicherungsverwahrung.



Medien-Andrang: Viele Fälle, die Gerhard Schaberg verhandelte, sorgten bundesweit für Aufsehen.



Lebenslänglich für die Eltern der verhungerten Jessica, Bewährung für den Luden - Schabergs Urteile auf MOPO-Titelseiten

Weitere Meldungen News
Die Pornoseite Faceporn darf weiter online sein.

Eine Pornoseite aus Norwegen hat einen Rechtsstreit gegen das soziale Netzwerk gewonnen. Facebook war wegen der Ähnlichkeit des Namens gegen die Seite vorgegangen.  mehr...

Magdalena Brzeska kann es nicht fassen - sie ist die neue Dancing-Queen.

Zusammen mit ihrem Tanzpartner Erich Klann gewann Magdalena Brzeska am Mittwochabend die RTL-Tanzshow „Let's Dance“.  mehr...

Ein Kind in einer Waschmaschine: Eine Überwachungskamera zeichnete den schlechten Scherz des Vaters auf.

Als Streich setzte ein Vater sein Kleinkind in eine Waschmaschine. Als er die Tür schloss, setzte sich das Gerät in Bewegung. Das Video der leichtsinnigen Aktion gibt's hier.  mehr...

Datum:  8.11.2009
Empfehlen: E-Mail
Kontakt: Redaktion
Artikel: Drucken
Typisch Frau

Der Mai ist da, die Leute heiraten. So mit Mitte zwanzig kriegt die Frau die ersten „Hurra, wir trauen uns“-Einladungen.