Noch drei, vielleicht vier Tage – dann wäre der Untergang von Hapag-Lloyd besiegelt gewesen, sagen Insider. Doch mit einer Finanzspritze von 330 Millionen Euro haben die Gesellschafter eine Insolvenz der Traditionsreederei gestern vorerst abgewendet. „Dies ist die Grundlage für die langfristige Stabilisierung des Unternehmens“, sagte Finanzsenator Michael Freytag (CDU) nach dem Ringen um die Rettung. In den Verhandlungen streckten die Stadt (hält 23 Prozent an Hapag) und der Touristik-Riese Tui (besitzt 47 Prozent) der Reederei die Hand aus, andere Teilhaber verweigerten dagegen jede Hilfe. Die MOPO klärt die wichtigsten Fragen.
-Wie sieht die beschlossene Soforthilfe genau aus? Mit der Finanzhilfe von 330 Millionen Euro bleibt Hapag-Lloyd flüssig, im Gegenzug überschreibt sie ihren 25-Prozent-Anteil am Containerterminal Altenwerder den Anteilseignern. So verteilen sich die Gelder: Hamburg steuert gemäß seiner Konzernanteile 76 Millionen bei, von der HSH-Nordbank kommen 15 Millionen in Form eines Kredits. Auch die Iduna-Versicherung beteiligt sich. Der Logistikunternehmer Michael Kühne, die Warburg-Bank und der Versicherer Hanse Merkur wollten dagegen keine Gelder bereitstellen. Tui übernimmt nun ihren Anteil von 72 Millionen Euro und zahlt insgesamt 215 Millionen Euro, damit Hapag überlebt. Die Stadt hat sich jedoch verpflichtet, 25 Millionen Euro von dieser Summe zu übernehmen, wenn Tui bis zum März 2011 nicht durch Gewinne von Hapag entlastet wird.
-Wie geht es jetzt weiter? Allein für das erste Halbjahr stehen bei der Reederei 500 Millionen Euro Verlust zu Buche. In den nächsten 18 Monaten wird die Reederei erneut 450 Millionen Euro an frischem Kapital benötigen. Eine weitere Milliarde soll in Form von Garantien der Stadt und des Bundes gewährt werden. „Wir erwarten, dass sich an der endgültigen Lösung alle Gesellschafter beteiligen werden“, sagt SPD-Finanzexperte Peter Tschentscher mit Blick auf Kühne und die Hanse Merkur. „Mit der derzeitigen Gesellschafterkonstellation ist eine langfristige Sanierung kaum zu machen“, meint dagegen Joachim Bischoff (Linke), der die Hilfe für Hapag dennoch unterstützt.
-Welche Einschnitte stehen bei der Reederei an? Nach den Sparplänen könnten bis zu 15 Prozent der weltweit 7200 Arbeitsplätze abgebaut werden, viele der 350 Kontore in aller Welt sollen veräußert werden. Auch die Zentrale am Ballindamm könnte zum Verkauf stehen: Das Gebäude gehört Tui, Hapag-Lloyd ist Mieter. Die Reederei hat ein Vorkaufsrecht für das Gebäude – sollte sie die festgesetzten 150 Millionen Euro für den Prachtbau aber nicht selbst aufbringen können, wird Tui den Prachtbau anderen Interessenten zum Kauf anbieten.