Robert Hoyzer schien Geschichte zu sein, ein einmaliger Vorfall, doch jetzt erschüttert ein Wett- und Manipulationsskandal ungeahnten Ausmaßes Deutschland und Europa.
Wie die Staatsanwaltschaft Bochum gestern mitteilte, besteht nach neunmonatigen Ermittlungen der konkrete Verdacht, dass alleine in Deutschland mindestens 32 Spiele von der 2. Liga bis in den Juniorenbereich manipuliert wurden. In sechs europäischen Ländern sind Erstligaspiele betroffen, zudem sollen drei Champions-League-Spiele sowie zwölf Partien der Europa League verschoben worden sein.
"Das ist zweifellos der größte Betrugsskandal, den es im europäischen Fußball jemals gegeben hat", sagte Peter Limacher, Experte der Europäischen Fußball-Union (UEFA) für Bekämpfung von Spielmanipulationen.
Insgesamt 200 Personen werden verdächtigt, Partien manipuliert und mit Wetteinsätzen Geld verdient zu haben. Bisher geht man von 10 Millionen Euro Beute der Betrüger aus. 17 Personen seien am Donnerstag in Deutschland und der Schweiz festgenommen worden, erläuterte Polizei-Einsatzführer Ralf Ziegler.
Vom Ruhrgebiet aus agierten die Drahtzieher demnach in halb Europa. Auf die Schliche seien die Ermittler ihnen durch eine Telefonüberwachung gekommen, sagte der Bochumer Staatsanwalt Andreas Bachmann.
In Deutschland handelt es sich um vier Spiele der 2. Liga, drei Spiele der 3. Liga, 18 Partien der Regionalligen, fünf Spiele der Oberligen sowie zwei U19-Begegnungen. Aus ermittlungstaktischen Gründen wurden bislang keine Vereine genannt, allerdings sollen nach Informationen der Neuen Osnabrücker Zeitung auch Profis des VfL Osnabrück verstrickt sein.
Die Staatsanwaltschaft Bochum verdächtigt demnach einen 34-jährigen Mann aus Lohne, zwei Begegnungen des VfL in der vergangenen Zweitliga-Saison mit Hilfe von Spielern manipuliert zu haben. Der Mann soll bereits verhaftet worden sein. Betroffen sind angeblich die beiden Auswärtsspiele beim FC Augsburg (0:3) am 17. April 2009 und beim 1. FC Nürnberg (0:2) am 13. Mai.
Auch das Freundschaftsspiel zwischen Regionalligist SSV Ulm und dem von Christoph Daum trainierten türkischen Erstligisten Fenerbahce Istanbul am 14. Juli 2009 steht unter Manipulationsverdacht. Fenerbahce hatte das Spiel 5:0 gewonnen.
Laut den Unterlagen der Ermittler soll sich der Verdacht ergeben haben, dass bislang unbekannte Spieler des SSV für ihre Bereitschaft genau in dieser Höhe zu verlieren einen niedrigen fünfstelligen Betrag erhalten haben sollen.
Insgesamt sollen etwa 200 Spiele in neun Ländern betroffen sein. In Kroatien, Slowenien, Türkei, Ungarn, Bosnien und Österreich sollen Erstligaspiele manipuliert worden sein, in Belgien und der Schweiz Zweitligapartien.
Auch bei einem Qualifikationsspiel zur U21-EM soll es Manipulationsversuche gegeben haben. Alle betroffenen Spiele fanden 2009 statt. Da auch Spiele aus der Europapokalsaison betroffen sind, sind Konsequenzen für den laufenden Spielbetrieb möglich.
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