Es sah erst so aus, als würde es von Galatasaray deftig was auf die Glocke geben. Aber weil Paolo Guerrero per Doppelschlag das 2:2 in Istanbul sicherstellte und Olic das entscheidende 3:2 (0:1) besorgte, steht der HSV im Viertelfinale des UEFA-Pokals. Der verdiente Lohn für eine tolle Aufholjagd.
Dabei hatten die Türken mit vereinten Kräften vorgearbeitet. Im Hamburger Team-Quartier, dem noblen „Ciragan Palace“, bekamen die Spieler jedenfalls kaum Ruhe. Immer wieder bollerten Fremde mit voller Kraft gegen die Türen der HSV-Profis. Mit permanentem Telefon-Terror versuchten Unbekannte offenbar, die Hamburger in ihrer Spielvorbereitung zu stören. „Fuck you“ soll dabei noch einer der harmloseren Ausdrücke gewesen sein. Bemerkenswert fürs erste Haus am Platze (5 Sterne), dass anonyme Anrufer auf die Zimmer prominenter Gäste durchgestellt werden ...
Im Stadion herrscht dann der ganz normale Wahnsinn. Bengalos und martialische Plakate. „Ali Sami Yen hell – welcome to a world without rules“. Keine Regeln in der Hölle – den HSV schockt das zunächst nicht. Olic (nach Pitroipa-Flanke), Alex Silva und Benjamin (verpassen per Kopf, alles in der 10.) setzen die ersten Ausrufezeichen.
Schade, dass der HSV den Anfangsschwung gegen verunsicherte Türken nicht nutzt. Es geht nichts mehr nach vorne – auch weil Olic sich in der Spitze allein aufreibt. Jansen – zuletzt stark über linke – ist in der Mitte verschenkt. Der HSV kommt nicht mehr in Tornähe – und patzt brutal. Doppelfehler Boateng - erst unterschätzt er einen hohen Ball, dann legt er Baros (41.). Kewell verwandelt den Elfer (42.). Unnötig.
Die Ausgangslage bleibt dennoch gleich. Der HSV braucht nach dem 1:1 im Hinspiel eh einen Treffer.
Doch das Tor macht Gala. Baros und Arda wirbeln die HSV-Abwehr durcheinander. Baros (fehlte im Hinspiel) schließt traumhaft ab (48.). Gibt’s jetzt `nen Abschuss? Nein, Jol hat Guerrero von der rechten Seite ins Zentrum beordert – und der ist gierig. Mit herrlichen Doppelschlag (57., 60.) bringt der Peruaner den HSV wieder auf Kurs – plötzlich steht’s 2:2. „Ein hervorragendes Resultat“, hatte Jol vor dem Spiel gesagt. Die Hölle ist inzwischen ziemlich eingefroren. Jarolim (81., Pfosten) und Pitroipa (82., drüber) können den Sieg klarmachen. Die Aufgabe übernimmt Olic. Sein Lupfer über Gala-Keeper de Sanctis (90.) macht den Abend rund.
Der HSV ist im Viertelfinale! Heute um 13 Uhr werden in Nyon die Lose gezogen.