Der Bann ist gebrochen. Ausgerechnet in der Schlammwüste des Goffertstadions von Nijmegen beendete der HSV eine schwarze Serie. 1981/82 siegten die Hamburger zum letzten Mal bei einem niederländischen Klub, damals mit 6:3 beim FC Utrecht. Gestern stieß die Jol-Elf das Tor zum Achtelfinale mit einem 3:0 (2:0) vor 12500 Zuschauern weit auf. Das Ticket für die Runde der letzten 16 ist bereits vor dem Rückspiel gelöst.
Mit Blasmusik, kollektivem Geschunkel und Luftschlangen wurde die Mannschaft von Martin Jol empfangen. Nijmegen im Karnevalsfieber vor einem der größten Spiele der Vereinsgeschichte. Mit dem Lied „Mit Daan neur der Reeperbahn“ kündigte NEC im Vorfeld eine große Fete auf dem Kiez an. Keine leichte Aufgabe, wenn schon die Party im eigenen Haus in die Hose gegangen ist.
Als Spielverderber schickte HSV-Coach Jol das 100 %-Duo aus Kroatien ins Rennen. Neun von neun HSV-Treffern im UEFA-Cup gingen vor dem gestrigen Auftritt auf das Konto von Petric und Olic. Ein pfundiges Argument für das Spiel im „Hexenkessel“ (Marcell Jansen).
„Das wird kein sehenswertes Spiel“, hatte Torjäger Mladen Petric angesichts der Schlammwiese orakelt. Tagelang hatte es in Nijmegen geregnet, der Acker weichte zusehends auf. Für das Ziel Achtelfinale durfte das keine Rolle spielen – und tat es auch nicht. Der HSV, unterstützt von 600 mitgereisten Fans, hätte durch Mathjisen (11.), Olic (14.) und Jarolim (20.) vorlegen können, ehe Nijmegen zu seinen ersten Chancen durch Akchaoui (22.) und Sibum (24.) kam. Genug gesehen, dachte sich der agile Trochowski, schnippelte einen Freistoß ins NEC-Netz (41.) – die Führung. Petric half fleißig mit, irritierte Keeper Babos.
Das Tor taugte als Spaßbremse auf den NEC-Rängen. Bei den HSV-Fans dagegen lieferte Troche den Startschuss ins Glück. Alex Silva erhöhte vier Minuten später nach Pass von Petric auf 2:0. Sein erster Pflichtspieltreffer im HSV-Dress. Samba auf der Schlammwüste. Herrlich anzusehen – aus Hamburger Sicht.
Erstmal warmgetanzt, hätten für NEC gleich zu Beginn der zweiten Hälfte die Lichter ausgehen können. Pothuizen riss Olic im Strafraum um – ein klarer Elfer. Schiri Ceferins aber pfiff nicht. Olic aber ließ sich sein Tor nicht nehmen, knipste nach Traumpass von Petric zum 3:0 (75.). Extrem unschön: Ceferin wurde von einem Gegenstand von holländischen Fans am Kopf getroffen, musste an der Seitenlinie behandelt werden. Kein guter Stil eines Gastgebers. Der Frust in Holland saß verdammt tief.
Reaktionen
Beiersdorfer: NEC hat schnell gemerkt, was hier Sache war
Mladen Petric: „Für mich ist es egal, ob ich die Tore selbst mache oder Vorlagen gebe. Das war souverän, ich bin glücklich – wir stehen mit einem Bein im Achtelfinale.“
Guy Demel: „Wir haben es uns leicht gemacht. Nijmegen ist zuhause eine gute Mannschaft. Wir waren gewarnt und von Anfang an konzentriert. Und wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht.“
Frank Rost: „Wir haben sehr ordentlich gespielt. Aber wir müssen den Gegner jetzt auch nicht stärker reden, als er ist. Wir sind aus der Bundesliga anderes gewohnt.“
Sportchef Dietmar Beiersdorfer: „Der Schlüssel war unsere Einstellung. NEC hat relativ schnell gemerkt, dass wir unbedingt gewinnen wollten. Das hier war eine Vorentscheidung für uns.“