Den Kleinsten trifft es immer zuerst - und meist auch am schlimmsten. So muss es jetzt die Volksfürsorge erleiden. Die 95 Jahre alte Hamburger Firma, kleinstes Anhängsel des drittgrößten europäischen Versicherungskonzerns Generali, wird komplett zerschlagen. 2000 Jobs in der Hansestadt sind in Gefahr.
Vor knapp einem Jahr bereits schockte der Eigner, die italienische AMB Generali Holding, das Traditionshaus direkt nach der Fusion mit einem radikalen Sparplan. 460 der 6100 Stellen wurden gestrichen. Tausende "Vofü"-Mitarbeiter protestierten lauthals - ohne Erfolg.
Doch das war erst die Spitze des Kahlschlag-Eisbergs. Wie der "Focus" berichtet, hat die Generali-Führung beschlossen, die Hamburger Filiale jetzt komplett zu fleddern. Die "Umstrukturierungen" müssen nur noch vom Aufsichtsrat - dort sitzt u.a. Altkanzler Helmut Kohl - abgesegnet werden. Perfide: Vor 14 Jahren verkauften die Gewerkschaften ihre Unternehmensanteile an die AMB. Jetzt ziehen sie gegen den Geschäftspartner in den Arbeitskampf.
Und das bedeutet der Radikalumbau für Hamburg:
- Die rund 2000 Mitarbeiter im Norden müssen laut Sparprogramm "Move" nach München zur Generali umziehen. Da viele dazu nicht bereit sind, fallen Stellen weg - und die Italiener sparen gleichzeitig Millionen Euro an Abfindungen.
- Der Hamburger Sitz wird bis auf eine Notbesetzung komplett dichtgemacht. Die fest angestellten Vertreter im Außendienst "brauchen keinen festen Standort", so ein Konzernkenner.
- Obwohl 80 Prozent der Deutschen den Namen "Volksfürsorge" kennen, verschwindet dieser - und geht in "Generali" auf. Zudem wird die kürzlich gestartete Werbekampagne "Klar und besser beraten" hinfällig.
- Die Generali übernimmt alle fünf Millionen Kunden. An den Verträgen ändert sich nichts.
Keine Sorge - Volksfürsorge? Der legendäre Firmenslogan ist Geschichte.