Ein eisiger Tag geht zu Ende, ein eisiger Abend bricht an. Während die meisten Hamburger zu Hause in ihren warmen Wohnungen sitzen, machen sich sechs Leute im Gählerpark fertig für die Nacht im Freien. Eine Nacht hoch oben in den Baumkronen des kleinen Gehölzes an der Holstenstraße in Altona. Seit vielen Wochen schon campieren die sechs dort, um gegen die Rodung von 359 Bäumen zugunsten der Vattenfall-Fernwärmetrasse zu protestieren - trotz Schnee und Minusgraden. Wie hält man das aus? Die MOPO hat es ausprobiert.
Es ist 20 Uhr, als ich dick eingemummelt in mehrere Schichten Wolle und Skiunterwäsche und bepackt mit zwei Schlafsäcken plus Isomatte zu den Baumbesetzern stoße. Jürgen, Olivia, Patrick, Punky, Lisa und Cécile sitzen um ein Lagerfeuer und wärmen sich die Hände.
"Wir haben uns diese Jahreszeit nicht ausgesucht für die Aktion", sagt Cécile Lecomte von der Organisation "Robin Wood". "Aber Vattenfall will nun mal jetzt fällen." Schon nächste Woche könnte es losgehen. Ein Datum, das auch die Anwohner fürchten, die im Gählerpark spazieren oder mit ihren Kindern rodeln gehen. Denn auch wenn Vattenfall neue Bäume pflanzen will - der Park ist erst mal zerstört.
"Es dauert 30 Jahre, bis die Bäume wieder so groß sind", sagt Cécile. "Die Menschen sind dann auch 30 Jahre älter." Aus diesem Grund genießen Cécile und die anderen die Solidarität der Anwohner, die auch heute Tee und Suppe vorbeigebracht haben. Ihr Nachbarschaftshaus dürfen die Aktivisten für Toilettengänge nutzen. Nach dem Zähneputzen dort steht der schwierigste Teil des Abends an: der Aufstieg zum Baumhaus.
Ich blicke hoch zu Cécile, die flink wie ein Eichhörnchen (so auch der Spitzname der früheren Frankreich-Meisterin im Klettern, die seit fünf Jahren in Deutschland lebt) an Seilen gesichert nach oben kraxelt. Bei mir dauert es eine halbe Stunde, bis ich mich hochgezogen habe und völlig erledigt die mit einer Plastikplane überdachte Plattform erreiche. Kalt ist mir nun nicht mehr.
Auf dem winzigen Streifen neben Céciles Isomatte mache ich mein eigenes Bett und schlüpfe schnell in die beiden übereinandergezogenen Schlafsäcke. Bei jeder Bewegung gerät die Plattform bedenklich ins Wanken. Sicherheit gibt mir nur das Seil, mit dem ich an einem Ast befestigt bin - und die Berufsrevolutionärin neben mir.
Denn die 28-jährige Cécile, die für ihre Aktionen von der linken "Bewegungsstiftung" finanziert wird, ist ein alter Hase in Sachen Baumbesetzung. Sie kämpfte in Brandenburg gegen die Fällung von Alleebäumen, in Frankfurt gegen den Flughafenausbau, dem ein ganzer Wald zum Opfer fallen sollte, in Cottbus kettete sie sich an einen Baum, der schließlich Stück für Stück über ihrem Kopf weggesägt wurde.
"Ich fühl mich wohl auf dem Baum", erzählt sie vor dem Einschlafen. "So nah der Natur spürt man, wie sehr sie unsere Lebensgrundlage ist und wie sehr es sich lohnt, um sie zu kämpfen." Jeder einzelne könne dazu beitragen, indem er Strom spart, Licht nicht überflüssig brennen lässt, bewusst heizt. "Die Ressourcen sind knapp, wenn wir nichts tun, gibt es irgendwann Krieg."
Mit diesen Worten im Ohr schlafe ich ein. Es ist eine unruhige Nacht, oft unterbrochen vom Lärm vorbeifahrender Autos oder sich unterhaltender Spaziergänger. Kalt ist es dank der Ausrüstung nicht, aber ungemütlich. Gut, dass es Leute gibt, denen das weniger ausmacht.
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?