Der K.o. kam nach nicht einmal einer halben Stunde. Dejagah (15.) und Madlung (22.) hatten einen bis dahin hilf- und wehrlosen HSV angezählt. Grafite setzte den entscheidenden Punch in der 28. Minute. 0:3 (0:3) in Wolfsburg – big Pleite für Big Martin Jol. „Wir haben die Tore hergeschenkt“, stellte der verärgerte Coach nach der Partie treffend fest. Nach dem grauen 0:0 gegen Urziceni geht für den HSV damit eine sehr enttäuschende Woche zu Ende.
Jol selbst hatte freilich seinen Anteil an der Pleite. Drei Neue (Atouba, Boateng, Mathijsen) brachte er im Vergleich zum UEFA-Cup-Kick gegen die Rumänen und rotierte seine Truppe dadurch ins Chaos – gezwungenermaßen. „Wir müssen irgendwann anfangen, die neuen Spieler zu integrieren. Das ist natürlich ein Abenteuer“, beschreibt der Coach sein Dilemma. „Wir mussten die Transfers spät tätigen. Die Spieler müssen jetzt integriert werden“, ergänzt Sportchef und Chef-einkäufer Dietmar Beiersdorfer. Will heißen: Es dauert noch, bis die Elemente ineinander greifen. Geduld ist gefragt.
Die Gegentreffer gestern hatten allerdings kaum mit fehlender Abstimmung zu tun. Es waren persönliche Schwächen! „Wie die Tore gefallen sind, kann einfach nicht sein“, zürnte Kapitän Jarolim, der die individuellen Fehler anprangerte. „Es gibt immer noch zehn andere, die das verhindern können“, relativierte der bedauernswerte Schlussmann Frank Rost.
Aber je mehr Spieler patzen, desto weniger Kollegen sind übrig, um die Böcke auszubügeln. Mathijsen, Boateng, Demel, Atouba und immer wieder Silva – jeder haute mal daneben. „Wenn man nicht eng genug deckt, dann ist Weihnachten nicht im Dezember, sondern schon jetzt“, kommentierte Jol die Geberlaune seiner Spieler, die dazu führte, dass der HSV seine zuletzt so gefürchteten Comeback-Qualitäten, nicht mehr abrufen konnte. Der Trainer: “3:0 war zu viel für uns.“ Bei den Bayern, in Bielefeld und gegen Leverkusen hatte es der HSV jeweils geschafft nach einem 0:2-Rückstand Punkte mitzunehmen. „So etwas geht nicht jedes Mal“, sagt Jarolim, „das kostet einfach zu viel Kraft und die hatten wir dieses Mal einfach nicht.“
Die Abwehrschwächen wurden in Wolfsburg zudem nicht durch kreative Attacken ausgeglichen. Die einzige Chance hatte Guerrero in der 76. (!) Minute. Der Peruaner legte sich den Ball jedoch zu weit vor, wurde von VfL-Keeper Benaglio gestoppt.
Die Tabellenführung ist damit also futsch, der HSV vorerst wieder auf Normalmaß zurechtgestutzt. „Die Euphorie kam sowieso nur von den Fans und der Presse“, glaubt Abwehrchef Joris Mathijsen. „Wir müssen jetzt daran arbeiten, dass diese Niederlage eine heilsame Wirkung erzielt“, fordert Beiersdorfer. „Schwamm drüber. Am Mittwoch muss es weitergehen“, sagt Rost über die anstehende Frustbewältigung. Im DFB-Pokal soll dann der VfL Bochum büßen.