Die Vorfreude war riesig. Endlich gastierte wieder ein großer Name im Volkspark, Ajax Amsterdam schien der passende Gast für ein europäisches Fußball-Fest zu werden. Doch statt mit dem zweiten Sieg im zweiten Gruppenspiel das Weiterkommen fast klar zu machen, hat nun das große Zittern begonnen. Nach dem 0:1 (0:0) gegen die Niederländer muss der HSV am kommenden Donnerstag bei Slavia Prag unbedingt punkten. Ansonsten droht das UEFA-Cup-Aus, noch vor Weihnachten.
Der HSV wollte gegen Ajax den Knüppel aus dem Sack holen, so das Vorhaben. Robustheit war gefragt, um den spielfreudigen Holländern die Lust am Leder zu nehmen. Einen Sack hatte auch Martin Jol dabei – mit lauter Überraschungen. Petric, von den Belastungen der Vorwochen gezeichnet, rotierte ebenso auf die Bank wie Boateng. Jansen fiel zudem einem steifen Hals zum Opfer. Für das Trio fanden Neves, Aogo und der zuletzt gelb-gesperrte Jarolim den Weg in die Startelf. Ein Mix, der überraschte.
Viele Worte waren vor dem Duell der europäischen Altmeister gefallen. Auf dem Platz ging es dann eher bedächtig zu. Olic scheiterte nach doppeltem Übersteiger aus ganz spitzem Winkel an Ajax-Keeper Vermeer. Der Kroate vergab auch die beste Chance der ersten Hälfte, zirkelte die Kugel nach Jarolims Zuspiel mit links knapp unten links vorbei (28.). Und Ajax? Nichts zu sehen vom holländischen Angriffsgeist. Emanuelsons Freistoß (44.) bildete die einzige Mini-Chance vor dem Wechsel.
Es blieb dabei. Die als Festschmaus proklamierte Partie kam über gelegentliche Appetitzügler nicht hinaus. Nur Guerrero machte Lust auf mehr. Nach Takangs Fehler drosch er das Leder an die Latte (59.). Ajax erzitterte, schüttelte sich einmal – und fing sich wieder. Leonardo prüfte Rost per Flachschuss (66.).
Wäre es doch nur bei dem einen Zähler geblieben – der HSV hätte mit einem ruhigen Gewissen nach Prag fahren können. Doch Jarolims eklatanter Fehlpass, bei dem auch Mathijsen viel zu zögerlich agierte, sorgte für ein ganz böses Erwachen. Frei vor Rost traf Leonardo zunächst beide Pfosten (!), versenkte dann den Abpraller zum Tor des Tages – 0:1 (77.). Entsetzen bei den meisten der 51200 Fans.
Feiern durften nur die 3000 (im Stadion zum Glück friedlichen) Ajax-Fans. Ein Pfeifkonzert ergoss sich mit dem Abpfiff über die Profis des HSV. An einem Abend, der Großes versprach – und nichts davon hielt.