Schulnoten sind die Vergangenheit, Kompetenzberichte die Zukunft. Diese klare Ansage zu Zeugnissen kommt - etwas überraschend - jetzt sehr konkret von der Hamburger CDU. In einem Antrag, der erst heute Morgen auf den Weg gebracht wurde, fordert der schulpolitische Sprecher Robert Heinemann, dass alle Hamburger Schulen an einem Schulversuch teilnehmen können, bei dem auf Notengebung verzichtet wird. Der Antrag wurde noch gestern in die Bürgerschaft eingebracht.
Schulen, die beim Schulversuch mitmachen, können schon im kommenden Sommer auf Noten verzichten. Ersetzt werden sie durch sogenannte Kompetenzraster. In diesen standardisierten Berichten wird für jedes Fach aufgeführt, was ein Schüler während des Schuljahres gelernt hat und was er eigentlich hätte lernen sollen. Robert Heinemann stellt klar: "Es geht hier absolut nicht um Kuschelpädagogik und darum, den Leistungsgedanken abzuschaffen." Die Kompetenzraster müssten mindestens den gleichen Informationswert wie Noten besitzen.
"Diese Raster sind der richtige Einstieg, um zu gerechteren, nachvollziehbareren Beurteilungen von Schülern zu kommen", so Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig (CDU). Heinemann geht davon aus, dass Hamburg sich mit dieser Abkehr von Noten an die Spitze einer bundesweiten Entwicklung setzt.
Angestoßen wurde die Gesetzesinitiative durch einen Streit um Notenzeugnisse in sogenannten Integrationsklassen. Dort gab es bisher keine Noten, um behinderte und andere Kinder in einer Lerngruppe nicht unterschiedlich zu behandeln. Die Behörde besteht seit Kurzem aber darauf, dass in diesen Klassen ab sofort Noten gegeben werden - zumindest für die nicht-behinderten Kinder. Eltern wehren sich mit einer Volkspetition dagegen. Durch den Antrag der CDU haben die betroffenen Schulen nun die Möglichkeit, am Schulversuch teilzunehmen. Allerdings müsste dafür sehr kurzfristig ein umfangreiches Konzept von den Schulen eingereicht werden. Wenn alles klappt, würden die Kinder dann im Sommer keine Noten bekommen.