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»SOCIAL WEB«

Nutzer helfen Nutzern

Social Web" lautet das Schlagwort der Stunde: Statt Inhalte nur zu konsumieren, bestimmen die User selbst das Programm im Internet. Wie bei Qype - wo Geschäftsmänner gute Hotels oder Sportstudenten die besten Kneipen zum Fußballschauen empfehlen.



Hätte Stephan Uhrenbacher (37) ohne Probleme einen Kindergarten für seinen Sohn gefunden, vielleicht gäbe es sein Empfehlungsportal Qype (www.qype.com) heute nicht. "Wir waren gerade umgezogen und auf der Suche nach einem passenden Platz. Aber nirgendwo gab es Hinweise, die über die Adresse und Telefonnummer hinausgingen", erinnert er sich. Auf den Suchfrust folgte die Geschäftsidee: "Was nützen mir Adressen? Ich brauche Empfehlungen von Leuten aus der Nachbarschaft oder von Leuten, die ähnliche Interessen haben wie ich", so Uhrenbacher. Qype war geboren.



Seit Mitte April ist die Betaversion des Empfehlungsportals mit dem unaussprechlichen Namen - ein Kunstwort aus Quality und Hype - online. "Entdecken, Empfehlen, Treffen" ist die Losung, die Uhrenbacher und sein 7-köpfiges Team ausgegeben haben, um die Webgemeinde auf ihre Site zu locken. "Qype lebt von seinen Usern. Sie sorgen für den Inhalt, sie machen die Seite interessant", so Uhrenbacher. Rund 4700 Einträge sind derzeit abrufbar, über 100 Nutzer haben sich kostenlos registriert. Einer verrät, welches er für das beste Restaurants in Hamburg hält, ein anderer empfiehlt ein Hannoveraner Hotel, dessen Chef größter 96-Fan ist, ein Dritter warnt vor einer kleinen muffigen Kneipe ohne Getränkekarte in München. Aber auch unfreiwillig Komisches ist dabei, etwa wenn jemand von der "Passion und Präsenz" eines Kieferchirurgen schwärmt, oder man so lebenswichtige Informationen über ein Stehcafé erhält wie: "Manchmal geht die Heizung nicht - aber dafür gibt es einmalig gute Bratkartoffeln!"



Zur schnellen Orientierung sind die Beiträge zusätzlich mit Sternchen gekennzeichnet. Ein interaktiver Stadtplan zeigt an, wo sich der besprochene Ort befindet. Ein Link zur Original-Website gehört ebenfalls zum Service. Noch interessanter: Jeder Teilnehmer kann ein Foto von sich hochladen - was auch eifrig genutzt wird.



"Klar, da ist natürlich auch viel Selbstdarstellung dabei", lächelt Uhrenbacher, "aber man sieht ja an den Erfolgen von so genannten "social communities" wie "MySpace.com" und "flickr!", wie sehr die Leute ein Bedürfnis nach Kommunikation und Austausch haben." Uhrenbacher, der selbst seit zehn Jahren in der Internetbranche aktiv ist - u. a. bei Travelchannel, Opodo, Bild.de, Doc Morris - glaubt, dass der große Boom noch bevorsteht: "Auch weil das Mitmachen durch vereinfachte Techniken und Open-Source-Tools viel einfacher geworden ist."



Doch es gibt auch Kritik am neuen Web-2.0-Hype: Datenschützer wenden sich mit Grausen ab, wenn sie sehen, wie leichtsinnig viele User persönliche Informationen übers Web verbreiten. Außerdem sinkt die Qualität der Informationen, da sie vor Veröffentlichung weder auf inhaltliche noch auf grammatikalische Fehler geprüft werden. Auch bei Qype gibt es keine Redaktion. "Ganz bewusst", so Uhrenbacher. "Wir verlassen uns auf die Selbstreinigung, und außerdem tragen Rechtschreibfehler ja auch zur Authentizität bei. Dafür sind wir schneller und ausführlicher als etablierte Medien wie etwa ein klassischer Restaurantführer."



Acht Business-Angels finanzieren Qype derzeit, in rund drei Jahren will Uhrenbacher schwarze Zahlen schreiben. Er ist optimistisch: "Heute ist es im Gegensatz zu früher ja tatsächlich möglich, mit Anzeigen im Web Geld zu verdienen."

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Datum:  23.5.2006
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Thomas Hirschbiegel

Aufschriften auf Firmenwagen sind immer wieder ein ergötzliches Thema. Jetzt stand ich am Eimsbütteler Markt hinter einem Transporter, auf dem stand: „Vor Ihnen fahren die Maler mit Freude am Beruf.“