Zwei Mal kreuzen sich ihre Wege noch, dann ist Schluss. HSV-Keeper Frank Rost (36) und sein Stuttgarter Pendant Jens Lehmann (39) - Charakterköpfe des deutschen Fußballs, kritische Geister, an denen sich gerieben wird. Lehmann wird seine Karriere im Sommer beenden, ein letztes Mal kämpft er nun in Hamburg um Bundesligapunkte. Das lässt sogar Rost nicht kalt. Fast schon wehmütig sieht er dem Duell mit seinem Weggefährten entgegen: "Jens hat seinen eigenen Kopf - und das ist auch gut so. Auf diese Weise hat er als Fußballer sehr viel erreicht."
Vielleicht sind es die ähnlichen Charakterzüge, die sie miteinander verbinden. Bissig gegen Gegner und Mitspieler. Niemals zu feige, Missstände auch offen anzusprechen. Rost und Lehmann ähneln sich im Auftreten. Seit Jahren und bis heute. Während Rost zuletzt Aufsehen erregte, weil er die dann geplatzte Bestellung Roman Grills zum Sportchef infrage stellte ("Das ist auch Thema in der Mannschaft"), bekam Lehmann mal wieder den Stempel als Pöbler und Fußball-Rambo aufgedrückt. Das alte Spiel eben.
Rost hat es registriert - und klagt an. "Es ist ein schmaler Grat", so der HSV-Keeper. "Man sucht ja immer nach Leuten, die streitbar sind. Dann aber ist man auch immer schnell dabei, diese Leute zu schelten. Da wird man mit der Zeit vorsichtig."
Lehmann scheinen genau diese Dinge zu seiner Entscheidung gedrängt zu haben. "Nach der Saison ist Schluss, dann reicht es mir", ließ er wissen.
Wie genau es für Rost im Sommer weiter geht, ist noch nicht klar. Sein Vertrag läuft aus. "Man kann im Fußball schwer langfristig planen", stellt er klar. "Aber ein Ryan Giggs verlängert in Manchester schon seit zehn Jahren immer für eine Saison." Ein Modell, dass auch Rost sich vorstellen könnte: "Ich hoffe, dass ich noch das ein oder andere Jahr spielen kann."
Rost hat noch Ziele. Große sogar. Die Champions League ist und bleibt sein Traum. Lehmann kann sie in seinem Abschlussjahr noch genießen. "Das ist klasse für ihn, denn da möchte jeder Fußballer hin. Und wenn wir uns als HSV einigermaßen vernünftig anstellen, sehe ich auch realistische Chancen dafür."
Rost in der Königsklasse. Lehmann würde seinem Weggefährten vom Sofa aus zugucken. Kritisch. Und irgendwie im Geiste mit ihm verbunden.