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"Made in Germany"

Gala setzt auf Exportschlager

In Istanbul, sagt Baris Özbek, fühle er sich immer noch fremd. Er ist ein Kind des Ruhrgebiets, geboren in Castrop-Rauxel. Türkische Eltern, deutscher Pass. Als Türke angesehen bei den einen, als Deutscher bei den anderen. "Ich spreche besser Deutsch als Türkisch", verrät der Mittelfeldstar von Galatasaray Istanbul, der mit seinen Kollegen im UEFA-Cup-Achtelfinale gegen den Hamburger SV (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht beendet) antrat.



Nicht weniger als sieben Spieler beim türkischen Meister wurden in Deutschland geboren. Bis auf Özbek tragen jedoch alle das rote Trikot der Heimat ihrer Väter. Der Münchner Volkan Yaman, die Berliner Hakan Balta und Ümit Karan. Der in Göppingen aufgewachsene Ersatztorwart Aykut Ercetin ging durch sämtliche Jugendteams, obwohl er bis zum 21. Lebensjahr beim VfB Stuttgart spielte. Alparslan Erdem aus Vechta entschied sich erst 2007 für die türkische U21-Mannschaft. Stürmer Serkan Calik bestritt bereits fünf Länderspiele für die deutsche Junioren-Auswahl, bevor er sich im vergangenen Jahr auf den letzten Drücker doch für die Türkei entschied.



Der gerade 23 Jahre alt gewordene Stürmer ist in Dinslaken geboren und einer der besten Kumpels von Baris Özbek. Gemeinsam schafften sie ihren Durchbruch bei Rot-Weiß Essen. Aufstieg in die 2. Liga 2006, nach dem sofortigen Wiederabstieg des westdeutschen Traditionsklubs folgten sie dann dem Ruf von Karl-Heinz Feldkamp an den Bosporus. Der derzeitige Präsidiumsberater von Galatasaray war damals dort noch als Trainer aktiv. "Es war nicht leicht, diese Verpflichtungen durchzusetzen", erinnert sich der 75-Jährige, "viele im Verein dachten, von diesen Jungs haben wir auch in der Türkei genug."



Aber es hat funktioniert. Özbek ist absoluter Stammspieler im defensiven Mittelfeld, er ist ein Star in der Türkei. Calik, der gegen den HSV wegen einer Knieverletzung fehlte, bekommt auch regelmäßig Einsatzzeiten. Calik entschied sich übrigens gegen den DFB, weil der damalige U21-Trainer Dieter Eilts ihn nach fünf Junioren-Länderspielen nicht mehr wollte. Sein Kumpel Özbek ("Wir sind wie Brüder") entschied sich für den DFB nach einem intensiven Gespräch mit Sportdirektor Matthias Sammer.



Sein Ziel ist die Berufung in die deutsche A-Nationalmannschaft. Özbek möchte sich als erster Deutsch-Türke dort einen Stammplatz erkämpfen. Es gab zwar schon den ehemaligen Uerdinger Mustafa Dogan, der 1999 bei zwei Länderspielen stehen blieb, aktuell hat sich Mesut Özil (Bremen) auch für Deutschland entschieden, eine Stammkraft aber ist er noch lange nicht. Spieler wie die Brüder Altintop, Nuri Sahin oder Yildiray Bastürk entschieden sich trotz Geburt in Deutschland für die Türkei.



Anders Özbek. "Ich habe darauf verzichtet, für die Türkei bei der EURO zu spielen", sagt er und hofft, dass Bundestrainer Joachim Löw von ihm Notiz nimmt: "Ich bin Leistungsträger, habe mit Galatasaray rund 20 Europacupspiele gemacht, aber mit Löw noch nie ein Wort gewechselt." So ganz verstehen kann der 22-Jährige das nicht: "Galatasaray ist schließlich nicht irgendein Verein." Dennoch denkt er darüber nach, im Sommer Angebote aus der Bundesliga zu prüfen: "Dann wäre ich endlich im Fokus der Nationalmannschaft."

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Datum:  20.3.2009
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