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Kleinkrieg an der Schule

"Punk Rock": Amok-Drama am Schauspielhaus

Die Teenagerzeit ist die verrückteste, die einsamste, unsicherste und wütigste Zeit des Lebens. Was für eine Achterbahnfahrt. Was für ein Theater - und was für ein guter Theaterstoff!



Der britische Autor Simon Stephens geht mit seinem neuen Stück auf die Bühne, wo die größten Schülerdramen stattfinden: direkt in die Schule. Wo Demütigungen Alltag sind, Angebereien, Keilereien, Hohn und Spott. Und wo es immer häufiger zu verstörenden Gewaltausbrüchen kommt. So auch in "Punk Rock": Am Ende wird William (gespielt von Sören Wunderlich) Amok laufen und drei seiner Mitschüler erschießen.



"PENG!", ruft Regisseur Daniel Wahl aus Reihe sieben. Noch wird nicht laut geballert. Aber hart gearbeitet, um die Handlung so authentisch wie möglich abzubilden: "Der Text muss auf die Bühne kommen, als sei er improvisiert, sehr direkt", sagt Wahl. Nach dieser ersten Durchlaufprobe erklärt der 43-Jährige seinen sieben Darstellern, woran es seiner Meinung nach noch hakt, und die Scharniere knarzen. Die Dialoge sollen in alle Richtungen fliegen, dürfen sich auch mal überschneiden und durcheinander purzeln: wie im richtigen Leben eben.



"Punk Rock" hat schließlich ganz authentische Bezüge - all jene Orte, deren Namen ins kollektive Bewusstsein eingebrannt sind wie schmerzende Wunden. Winnenden. Oder Erfurt. Oder Emsdetten. Oder Columbine. Schreckliche Ereignisse, kranke und verwirrte Täter. Und immer bleibt die Frage nach dem Warum.



Die allerdings wird auch in "Punk Rock" nicht beantwortet. Hier wird nur gezeigt. Im Schauspielhaus ist eine riesige Schultreppe nachgebaut, und zwischen Tischtennisplatte, an langen Ketten baumelnden Kopfhörern, einem Snackautomaten und dem Kopierer spitzt sich die Situation immer mehr zu. Der brutale tägliche Kleinkrieg, bei dem die Sprache völlig sexualisiert ist und die Frage "Hattest du schon mal 'ne Freundin?" explosives Potenzial besitzt. "Jeder hackt auf dem Nächstschwächeren herum", sagt Regisseur Wahl.



Der Schweizer ist selbst Schauspieler im Ensemble des Hauses in der Kirchenallee. Ein großer Vorteil beim Feintuning: "Ich habe ein Verständnis für Nöte, die bei den Spielern entstehen können. Ich möchte sie dahin begleiten, dass sie angstfrei und kreativ arbeiten können. Wir möchten das Stück als einen lebendigen Organismus in die Premiere führen."



Das Licht erlischt, die Durchlaufprobe ist beendet: "Danke schön", ruft Daniel Wahl und klatscht. Man ist auf einem guten Weg - mit einem brennend aktuellen Theaterstück.



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Datum:  18.3.2010
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