Es gab zwar gute Gründe für die Maßnahme. Und dennoch war das Bild, das sich den Trainingsbeobachtern gestern bot, exemplarisch für seine Situation. Beim Abschlussspielchen auf drei Tore war für Sascha Kirschstein kein Platz im Kasten. Rost, Hesl und Wächter erledigten ihren etatmäßigen Job - "Kirsche" musste im Feld ran. "Eine Knochenentzündung am Handgelenk", sagt der Keeper. Der Weg ins HSV-Tor ist für ihn derzeit weiter denn je - nicht nur wegen der Schmerzen.
Als Stammtorwart war Kirschstein in die Saison gegangen - jetzt steht er als Letzter in der Reihe der Anwärter auf den Platz zwischen den Pfosten. "Es ist schon traurig, wenn man so aufs Abstellgleis geschoben wird. Ich bin als Nummer eins gestartet, jetzt bin ich nur noch die Nummer drei, vielleicht sogar die Nummer vier." "Kirsches" Totalabsturz - selbst Amateurcoach Wolfgang Hesl steht bei Trainer Huub Stevens höher im Kurs, soll zur neuen Saison einen Profivertrag erhalten.
Nicht alle im Verein hielten es für eine gute Idee, Kirschsteins Vertrag im Sommer vorzeitig bis 2011 zu verlängern. Für den Torwart ist der lange Kontrakt nun zumindest eine Versicherung gegen den persönlichen GAU. "Ich werde nicht arbeitslos", sagt er mit bittersüßer Miene, "aber ich möchte spielen."
Berater René Deffke sondiert derzeit den Markt, sucht nach Ausweichoptionen für den kommenden Sommer. Noch hat sein Schützling nicht aufgegeben. "Es sind noch zwei Monate Zeit. Da kann noch viel passieren." Nach menschlichem Ermessen wird sich aber nicht genug ereignen können, um die Perspektive des 26-Jährigen entscheidend zu verbessern. Die Zeichen stehen auf Abschied. Gut, dass der unglückliche Ersatzmann des Ersatzmannes des Ersatzmannes privat auf einer soliden Basis steht. Seit dem 14.2. ist er mit seiner großen Liebe Danijela verheiratet. "Wir sprechen viel über meine Situation. Sie will ja auch nicht, dass ich immer mit hängendem Kopf nach Hause komme." Das allerdings war in den letzten Wochen an der Tagesordnung.