St. Paulis Fans sind aufgebracht: Sie vermuten hinter dem Sturm ihrer Kneipe "Jolly Roger" eine Racheaktion der Polizei - für einen im März verletzten Kollegen. Wie berichtet, waren Beamte in Kampfmontur in die Gaststätte an der Budapester Straße eingedrungen, hatten Reizgas versprüht, die Gäste in Panik versetzt und dem Journalisten Sven Klein vier Zähne ausgeschlagen. Polizeisprecher Ralf Meyer zu den Fan-Gerüchten: "Das ist absoluter Unsinn."
An dem Sturm des "Jolly" am Sonnabend gegen 3.30 Uhr waren Eutiner Polizisten einer Beweis- und Festnahmeeinheit beteiligt. Genau aus dieser Einheit soll ein Beamter stammen, der sich im März nach St. Paulis Heimspiel gegen Rostock bei Krawallen in unmittelbarer Nähe vom "Jolly" schwere Schnittverletzungen zugezogen hatte. Vor wenigen Wochen klagten zudem Pauli-Anhänger über einen unverhältnismäßigen Polizeieinsatz in Kiel, als die Fans den Regionalliga-Aufstieg der zweiten Mannschaft feierten. Auch in Kiel sollen die Eutiner Polizisten gegen die Fans vorgegangen sein.
Polizeisprecher Meyer weist die Verdächtigungen zurück: "Es sind bestimmte Personen, die derlei Legenden stricken. Zudem waren auch Hamburger Kollegen an dem Einsatz beteiligt." Einen Grund, warum das "Jolly" gestürmt wurde, konnte er aber wegen interner Ermittlungen weiterhin nicht nennen. So bleibt der Polizei-Einsatz rätselhaft. Pressefotos zeigen lediglich eineinhalb Stunden vor dem Sturm eine aufgebrachte Menge vor dem "Jolly" - aber keine Straftaten.
Stephan Delius, "Jolly"-Geschäftsführer: "Die Gäste sind in Panik auf die Toiletten und in den Keller geflüchtet, vermummte Polizisten mit Schlagstöcken hinterher." Ulrike Swabzda gehörte zu denen, die im Keller eingeschlossen waren: "Oben hat man keine Luft mehr bekommen, draußen hielten die Wasserwerfer drauf. Wen hätten wir anrufen sollen? 110?" Für die Opfer wurde ein Spendenkonto für die medizinische und rechtliche Betreuung eingerichtet. Nach dem Spiel gegen Hearts of Midlothian am Freitag wird es eine Demo geben, rechtliche Schritte sind geplant.
St. Paulis Aufsichtsrat Tay Eich bezeichnete den Einsatz als "vollkommen inakzeptabel" und hat wie Präsident Corny Littmann die Polizei um "lückenlose Aufklärung der Ereignisse" gebeten.