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FUSSBALL-KRAWALLE IN HAMBURG

Wie soll das erst zur WM werden?

Die Budapester Straße auf St. Pauli - ein einziges Schlachtfeld. Überall liegen Steine und Glasscherben. Nach dem Spiel zwischen dem FC St. Pauli und dem Chemnitzer FC kam es am Sonnabend zu den schwersten Auseinandersetzungen von Fußballfans in Hamburg seit vielen Jahren. Und die Polizei hat gut zwei Monate vor der WM kein gutes Bild dabei abgegeben.



Schon vor dem Spiel kam es rund um den Hauptbahnhof zu ersten Ausschreitungen. Mit "Sieg Heil!"-Rufen stürmten Chemnitzer Anhänger türkische Läden. In einem Frisörsalon wurde der rechtsradikale Exzess gestoppt. Drei junge Türken drängten den braunen Mob direkt in die Arme der Polizei.



Auch im Gästeblock am Millerntor ließen rund 200 Chemnitzer keinen Zweifel an ihrer Gesinnung. Nazi-Fahnen (auf den rot-weißen Bannern fehlte nur das Hakenkreuz) wurden gehisst, dumpfe, ausländerfeindliche Gesänge angestimmt. Eine Rauchbombe und Knallkörper sorgten in der 33. Spielminute für eine fünfminütige Spielunterbrechung. Die St. Pauli-Anhänger reagierten mit "Nazis raus!"-Rufen. Erst als einige Ostdeutsche versuchten, den Zaun zur Haupttribüne zu überwinden, griff die Polizei ein, sorgte für Ruhe.



Die rechtsradikalen Fahnen wurden jedoch nicht entfernt, dafür musste in der Halbzeit St. Paulis Vizepräsident Marcus Schulz höchstpersönlich sorgen. "Ich hatte Schiss, wir wurden als Juden-Säue bepöbelt." Geschockt und empört reagierten die St. Pauli-Spieler nach dem Abpfiff. Stürmer Felix Luz: "Das ist unglaublich, hat mit Fußballfans nichts zu tun. Gerade im Hinblick auf die WM ist es unfassbar, dass so etwas überhaupt passieren kann."



St. Paulis Sicherheitschef Sven Brux erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei, sagt, dass die Ausschreitungen nach dem Spiel hätten vermieden werden können. "Wir hatten die Polizei in der Halbzeit darum gebeten, den Gästeblock sofort zu räumen. Wir hatten klare Hinweise, dass die Situation hinterher eskalieren wird."



Nach dem Spiel versammelten sich rund 750 Pauli-Anhänger an der Budapester Straße und warteten auf die Chemnitzer. Die wurden allerdings von der Polizei im Stadion festgehalten, um ein Aufeinandertreffen der Gruppen zu vermeiden. Inzwischen waren mehr als 540 Beamte mit vier Wasserwerfern im Einsatz. Offenbar fühlten sich die Paulianer davon provoziert und warfen Steine und Flaschen auf die Beamten, schossen Leuchtspurmunition ab. Die Polizisten zerrten die Rädelsführer aus den Gruppen, setzten die Wasserwerfer ein.



Am späten Nachmittag ließ die Polizei drei HVV-Busse vorfahren, in denen die Chemnitzer abtransportiert wurden. Und wieder das rechtsradikale Gegröhle ("Hier regiert der nationale Widerstand"). Als die Busse auf dem Weg zum Hauptbahnhof die Pauli-Fans passierten, prasselten erneut Flaschen und Steine nieder. Mehrere Scheiben gingen zu Bruch. Die Bilanz: 44 Ingewahrsamnahmen (fast ausschließlich Chemnitzer), neun Festnahmen sowie je zwei leicht verletzte Polizisten und Fans.



Mehmet S. (30, v. l.), Mustafa B. (25) und Sekin S. (24) drängten Neonazis aus dem Frisörladen am Steindamm



Ein Polizist führt einen rechtsradikalen Chemnitzer ab



Ein Randalierer wird bei den Ausschreitungen zu Boden gedrückt



Chemnitzer Fußballanhänger provozieren die Polizei mit Hitlergruß und rechtsradikalen Schlachtgesängen. 43 von ihnen wurden in Gewahrsam genommen



Als die Chemnitzer in Bussen abtransportiert werden, schlagen Steine ein



Die Polizei setzt Wasserwerfer gegen Pauli-Fans ein, die mit Ausschreitungen auf die Provokationen der Neonazis antworteten

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Datum:  3.4.2006
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Thomas Hirschbiegel

Aufschriften auf Firmenwagen sind immer wieder ein ergötzliches Thema. Jetzt stand ich am Eimsbütteler Markt hinter einem Transporter, auf dem stand: „Vor Ihnen fahren die Maler mit Freude am Beruf.“