Er hatte sogar mit Rücktritt gedroht, um die CDU-Fraktion auf Linie zu bringen. Gestern um 15.19 Uhr konnte Bürgermeister Ole von Beust (CDU) erstmal aufatmen. Sein mehrjähriger Freund und Wunschkandidat Carsten Lüdemann (CDU) wurde in der Bürgerschaft mit 62 zu 57 Stimmen zum neuen Justizsenator gewählt. Allerdings: Mindestens einer der 63 CDU-Abgeordneten votierte gegen Lüdemann - und damit auch gegen den Bürgermeister, der sein politisches Schicksal an diese Abstimmung geknüpft hatte. Bereits vor zwei Jahren hatten sich zwei CDU-Abgeordnete bei der Bürgermeisterwahl enthalten. CDU-Fraktionschef Bernd Reinert zeigte sich trotz des verfehlten Ziels, sich diesmal geschlossen hinter den Bürgermeister zu stellen, zufrieden: "Die CDU-Mehrheit steht - auch in geheimer Abstimmung." Ole von Beust sprach von einem "eindrucksvollen Votum" der Fraktion.
Doch vor dem Wahlkrimi war die Nervosität in den Reihen der Regierung nicht zu übersehen - auch beim Bürgermeister. Als Bürgerschaftspräsident Berndt Röder die Sitzung um 15.01 Uhr eröffnete, saß Ole von Beust mit gefalteten Händen auf der Senatsbank. Während die Abgeordneten nacheinander in den Wahlkabi-nen verschwanden, suchte von Beust das Gespräch mit seiner Stellvertreterin Birgit Schnieber-Jastram (CDU), machte sich zwischendurch Notizen. Die Anspannung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Auch noch um 15.14 Uhr, als alle anwesenden 119 Abgeordneten (bei der SPD fehlte Erhard Pumm, bei der GAL Jörg Lühmann) ihre Stimme abgegeben hatten.
Erst als Bürgerschaftspräsident Röder fünf Minuten später das Wahlergebnis verkündete und die CDU-Fraktion für knapp zwei Minuten stehend applaudierte, huschte auch von Beust ein Lächeln über die Lippen.
Dann ging alles ganz schnell: Um 15.28 Uhr sprach Lüdemann als Nachfolger des von Beust wegen der Protokoll-Affäre geschassten Roger Kusch (Ex-CDU) den Amtseid als Justizsenator - mit der religiösen Formel: "Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe." Danach stürzte sich die Horde der Gratulanten auf Lüdemann. Als Erster schüttelt CDU-Fraktionschef Bernd Reinert dem 41-Jährigen die Hand, überreichte ihm einen großen Blumenstrauß. Der Bürgermeister: "Ich bin sicher, wir haben jetzt einen guten neuen Senator."