Er ist fraglos einer der profiliertesten Funktionäre in Fußball-Deutschland: Heribert Bruchhagen (60) legte sich als Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt in der Diskussion um Macht und Geld in der Bundesliga ständig mit Bayern-Boss Kalle Rummenigge an, bestach durch gute Argumente und Unnachgiebigkeit. Die MOPO sprach mit dem früheren Manager des HSV, der immer noch Mitglied bei den "Rothosen" ist, über die jüngste Entwicklung in Hamburg.
MOPO: Was haben Sie gedacht, als Sie vom Ende des HSV-Sportchefs Dietmar Beiersdorfer erfuhren?
Bruchhagen: Ich fühlte mich bestätigt, dass es richtig war, es hier in Frankfurt zur Bedingung gemacht zu haben, gleichzeitig Vorstandschef und Manager zu sein.
MOPO: Wie meinen Sie das?
Bruchhagen: Durch diese Konstellation ist die Reibung, die es beim HSV offensichtlich zwischen Bernd Hoffmann und Didi Beiersdorfer gegeben hat, nicht möglich. Ich kann allein entscheiden.
MOPO: Was sagen Sie zum Ende Beiersdorfers? Ihm wurden diverse Transfers angelastet.
Bruchhagen: Ich verstehe es nicht, dass man eine Transferpolitik daran misst, wie Ergänzungsspieler wie Albert Streit oder Michael Gravgaard eingeschlagen haben. Die waren nicht als elementare Pflöcke vorgesehen, sondern wurden geholt, um kurzfristig Personalprobleme zu lösen.
MOPO: Und die großen Transfers?
Bruchhagen: Beiersdorfers Transferpolitik halte ich für extrem erfolgreich. Ich wünschte, ich könnte eine ähnlich gute vorweisen. Mal etwas Grundsätzliches: Die Beurteilung einer Transferpolitik sollten ausschließlich Leute vornehmen, die direkt aus dem Fußball kommen. Ich glaube übrigens, Hoffmann war nicht wirklich auf Trennung aus, weil ihm die ganze Kiste dann doch zu heiß wurde. Aber Beiersdorfer hatte am Ende die Schnauze offenbar voll.
MOPO: Wie stehen Sie persönlich zu Beiersdorfer?
Bruchhagen: Er ist sehr authentisch, sympathisch. Es ist allerdings sehr anstrengend, mit ihm zu kommunizieren, weil er oft sehr lange zögert. Aber das muss in dieser Branche manchmal kein Nachteil sein.
MOPO: Muss man sich jetzt große Sorgen um den HSV machen, werden einige Spieler, die bislang mit Beiersdorfer Vertragsgespräche geführt haben, vielleicht nicht mehr kommen?
Bruchhagen: Nein, das sehe ich nicht so dramatisch. Machen wir uns doch nichts vor: Irgendwie sind Personen in dieser Branche doch alle austauschbar. Es ist ja nicht so, dass unser Job ein Studium von Geisteswissenschaften erfordert. Der neue Manager hat bis zum 31. August Zeit, mit dem entsprechenden Geld gute Spieler für den HSV zu kaufen.