Manchmal braucht es nicht viel, um das Herz des Theaterzuschauers zu erfreuen: Eine einfache, berührende Geschichte und drei feine Schauspieler - das ergibt zusammen eine kleine Sternstunde unter dem Titel "Die Boxerin". Das Projekt von Frank Abt wurde im Thalia/Gaußstraße uraufgeführt.
Bereits in der vergangenen Saison hat Abt in seinen "Stadtnotizen" dem "Glück in Hamburg" nachgeforscht. Unter diesem Etikett laufen im Thalia alle Stücke, die sich mit dem städtischen Leben auseinandersetzen. Für "Die Boxerin" hat sich der Journalist Dirk Schneider mit Asylsuchenden getroffen. Herausgekommen ist die Geschichte einer jungen Afrikanerin aus Sierra Leone, die als Flüchtling in Hamburg gestrandet ist. Das Mädchen hat zwar keine Papiere und keine Aufenthaltsgenehmigung, aber Duldung - und Biss: Sie will Boxerin werden.
Olivia Gräser, die bereits als Shakespeares Julia begeistert hat, beeindruckt in der Rolle des Flüchtlingsmädchens Kamara, einer jungen Frau mit dem Mut der Verzweiflung. Auch Simon Brusis ist ausdrucksstark. Er spielt einen Beamten der Einwanderungsbehörde, brüllt dessen Hilflosigkeit heraus, zeigt die Angst vor dem "Ermessensspielraum" und den Wunsch nach klaren Regeln. Dritter im Bunde ist Markwart Müller-Ellmau in der Rolle von Kamaras Trainer. Drei Menschen, die eigentlich das Beste wollen. Die sich zusammensetzen und es einfach tun könnten. Doch die Umstände - sie sind nicht so. Erschütternd.