EMPEDE
Er hatte Angst - panische Angst. Robert Enke dachte, wenn die Öffentlichkeit von seiner Krankheit erfährt, könnte er seine Adoptivtochter Leila verlieren. Dabei war die Angst unbegründet. Das sagte ihm nicht nur immer wieder seine Frau Teresa (33), sondern versichert auch Hannovers Regionspräsident Hauke Jagau.
"Das Jugendamt geht bei der Beurteilung der Eltern immer vom Kind aus. Und das war und ist in bester Obhut, selbst wenn uns die Erkrankung Robert Enkes bekannt geworden wäre", sagte Jagau zur MOPO. Für ihn gibt es keinen Anlass, die Adoption auch nach dem Freitod des National-Keepers infrage zu stellen.
"Wir haben das Ehepaar Enke als fürsorgliche Eltern kennen gelernt, sie haben sich bei den Mitarbeitern eine hohe menschliche Wertschätzung erworben. Das Kind bleibt in der Familie. Enkes Witwe Teresa behält die im Mai adoptierte Tochter in Adoptivpflege", bestätigt Jagau. Sein Amt hält intensiven Kontakt mit der starken Frau. Nach Ablauf des ersten Adoptionsjahres wird es ein Gutachten erstellen, ob ein gutes Verhältnis gewachsen ist. Dann spricht ein Amtsgericht die endgültige Adoption aus.
"Robert hat sich immer liebevoll um Leila gekümmert, bis zum Schluss", sagt die tapfere Witwe. Wer sie in den Stunden nach der Tragödie erlebte, hat keinen Zweifel, dass sie nun ihre ganze Liebe, Fürsorge und Wärme dem acht Monate alten Baby schenken wird - es ist der einzige Mensch, der ihr vom Lebenstraum geblieben ist.
Sechs Jahre hat Teresa mit ihrem Mann gegen seine Krankheit gekämpft. Roberts Vater fehlte wohl die Kraft. Dirk Enke lebt von Mutter Gisela getrennt und arbeitet als Psychotherapeut in Jena. Trotz seiner Erfahrung konnte der frühere Hürdenläufer seinem Sohn nicht helfen. Seit ihm seine Schwiegertochter die Todesnachricht am Telefon überbrachte, steht er unter Schock: "Ich bin fix und fertig."
Wie er ist auch Hannover 96 weiter im Ausnahmezustand. Die Geschäftsstelle plant eine große Trauerfeier für ihr Torhüter-Idol. "Wir stellen uns darauf ein, dass die AWD-Arena am Sonntag um 11 Uhr auch voll werden könnte. Sie fasst beinahe 50 000 Menschen", sagt Club-Chef Martin Kind. An der Gedenkfeier wird auch Bundestrainer Joachim Löw mit allen Spielern teilnehmen. Im kleinen Kreis wird Enke dann auf dem Friedhof von Empede beigesetzt. Robert soll seine letzte Ruhe neben seiner 2006 verstorbenen Tochter Lara finden. Dort hatte er sie noch kurz vor seinem Selbstmord besucht.