Sie sind ein echtes Dreamteam: Dea Loher und Andreas Kriegenburg. Nun haben die Dramaturgin und der Regisseur ihre neue Arbeit vorgelegt: Im Thalia Theater wurde "Das letzte Feuer" uraufgeführt. Ein zweistündiges Gesamtkunstwerk aus Text, Bühne und Schauspiel, das einen voll erwischt, aber auch an den Rand der Überforderung bringt.
Ein echter Hingucker ist die andauernd kreisende Drehbühne. Darauf hat Bühnenbildnerin Anne Ehrlich eine kleinbürgerliche Puppenstube gebaut: Wohnzimmer, Küche, Bad - mit Wasserflecken und blumigen Tapeten. Die Schauspieler laufen von Zimmer zu Zimmer, in Gegenrichtung zu der sich drehenden Bühne.
Dabei erzählen sie die Geschichte: Der kleine Edgar ist von einem Auto überfahren worden. Der einzige Zeuge ist ein Fremder, Rabe, ein junger Kriegsversehrter. Im Laufe dieser "kollektiven Erzählung", wie die Autorin ihr Stück nennt, kommt heraus, dass alle irgendwie zusammenhängen: Das Auto fuhr die Polizistin Edna. Sie ist mit Karoline befreundet, die die Geliebte des Vaters des toten Jungen ist. Dessen Mutter wiederum geht eine Beziehung mit dem Zeugen Rabe ein. Und so weiter. Obendrein haben alle Figuren ein Handicap, eine Krankheit.
Dea Loher hat ihren Figuren einen schweren poetischen Text aufgebürdet. So alltäglich ihr Aussehen, so unalltäglich überhöht ist ihre Sprache. Kriegenburg hat diese Künstlichkeit wunderbar aufs Theater übertragen: Die dauernde Bewegung der Bühne und der Akteure schafft eine Irritation, die auch den Zuschauer in ständiger Bewegung hält und ein "Abschalten" verhindert.
Man wird in die Geschichte hineingezogen. Sie erzählt vom Leben, über das wir keine Kontrolle haben und das irgendwie immer weitergeht. Beeindruckend die schauspielerische Leistung des Ensembles. Ein besonderer Theaterabend.