Sie kennen es alle: den versteckten Rassismus in Hamburg. Alte Damen, die ihre Handtaschen an sich krallen, als trachte man nach ihrem Geld, Leute, die sich im Bus wegsetzen. Oder die Klischee-Keule: "Du bist bestimmt Tänzer oder Sänger?" Und das nur, weil sie Schwarze sind. Afrodeutsche eben, was viele Weiße immer noch nicht begreifen: "Woher kommst du?" oder "Du sprichst aber gut Deutsch", sind Klassiker der Diskriminierung.
"Obwohl wir hier geboren wurden, nimmt man uns nicht als Teil der Gesellschaft wahr," stellt Ralph Henke (22) fest, Student der Sozial-Ökonomie. Nigel Asher (43) bringt das Problem auf den Punkt: "Deutsch sein wird mit weiß sein gleichgesetzt".
Seit 2003 organisiert Nigel den "Black History Month" (BHM) - gemeinsam mit der Hamburger Ortsgruppe der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland". Ihm helfen dabei Ralph und Nicola Joseph (37).
Was vor zehn Jahren klein begann, hat sich zu einem Kultur-Höhepunkt mit 23 Veranstaltungen und 3000 Besuchern gemausert. Das Ziel: Menschen unterschiedlicher afrikanischer Ursprünge zusammenzuführen. Auch sollen die Events Toleranz und ein besseres Verständnis zwischen Schwarzen und Nicht-Schwarzen fördern.
"Wir wollen das Selbstbewusstsein der Schwarzen stärken," erklärt Ralph, dessen Mutter aus Kenia kommt. Die Partys, Konzerte, Lesungen, Filme und Diskussionen laufen unter dem Moto "Inspired Community". "Obama ruft Euphorie hervor: Er zeigt uns, dass Schwarze jetzt auch Banker und Ärzte werden können", sagt Ralph.
1926 startete die "Negro History Week" in den USA. Das Ziel: Die Geschichte der Schwarzen in die amerikanische Öffentlichkeit zu tragen. Daraus entstand der "Black History Month", der weltweit gefeiert wird. "Deshalb vermitteln wir auch viel Geschichte, die ein afrodeutsches Kind in der Schule nicht lernen kann", erklärt Nicola.
Doch vor allem wird gefeiert: "Wir erheben nicht den Finger und ermahnen, sondern wir haben Spaß und tauschen uns aus." Besonders an den Sonntagen: die Afro-Kulturen von afroamerikanisch, afrokaribisch über afrodeutsch stellen sich mit Live-Mucke vor. Den Anfang macht am Sonntag (14 Uhr, 6 Euro) der "Afrocoustic Brunch" im Tropical Point (Paul-Nevermann-Platz 1) zum Klang der Kora - einem harfenähnlichen Instrument aus Westafrika. Die große "Black History Opening"- Party steigt einen Tag vorher: am Sonnabend (22 Uhr, 4 Euro) im Stage Club (Stresemannstraße 163). Miss Leema, Talawah Sound und Gafiera Universal bringen mit Soul, Reggae und Afro-Latin alle zum Tanzen. Weitere Info: www.bhmhamburg.de